Hi Cleantechie!
Diese Woche schippern wir zur Grenze des Elektrifizierbaren und stellen fest: Sie ist in den vergangenen Jahren immer weiter in die Ferne gerückt.
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Das ist ein ganz normales Containerschiff. Bis auf eine Kleinigkeit: Es hat keinen Tank.

Paradiesische Zustände an Bord: kein Lärm, kein Gestank – dank elektrischem Antrieb.
tl;dr: Im April hat China mit der “Ning Yuan Dian Kun” ein zweites vollständig batterie-elektrisches Containerschiff in Linienbetrieb genommen. Es kann 742 Container laden und nutzt gestapelte Akku-Container, die wie Fracht an Bord kommen. Der Batteriepreis entscheidet, welcher Teil der Schifffahrt elektrisch fahren kann – und Schiffsakkus sind seit 2012 mehr als drei Mal billiger geworden. Aber noch fehlen realistische Lösungen für die Hochsee.
Von Ningbo bis Norderney: die Liste elektrischer Schiffe wird länger
Die Ningbo Ocean Shipping Co. stellte am 15. April die Ning Yuan Dian Kun in Dienst: 1.750 kW Antrieb, 20 MWh Batterie in zehn Containern, 70 Seemeilen Pendelroute südlich von Shanghai. Laut Betreiber spart sie 1.462 t CO₂ pro Jahr. Ein Schwesterschiff folgt im Juni. Bereits seit 2024 kreuzt die Green Water 01 der chinesischen Reederei COSCO auf dem Jangtse-Fluss. Sie lädt 700 Container auf 120 Metern Länge.
Zum Vergleich: ein herkömmliches Containerschiff kann bis zu 24.000 Container transportieren.
Die Schiffe laden über Landstrom – oder über die Hafenkräne. Ist eine Box leer, hebt der Kran sie vom Schiff und stellt eine volle daneben. Der Strom kommt als Fracht an Bord – leer raus, voll rein, ohne dass im Hafen eine Ladeinfrastruktur stehen muss. Das ist ein Vorteil, wie wir noch sehen werden.
Bei kleineren Fähren dominiert der Westen. In Norwegen fährt die Yara Birkeland seit 2022 mit einer 6,7-MWh-Batterie von Leclanché, zumindest in der Theorie teilautonom. Seit März 2026 fährt Scandlines mit der „Baltic Whale“ eine vollelektrische Fähre auf der Route Puttgarden–Rødby.
Zur Nordseeinsel Norderney fährt seit 2025 die Frisia E-1, betrieben von der Reederei Norden-Frisia.
Aber vollelektrische Container-Schiffe nennenswerter Größe gibt es bisher nicht. Norwegens Eitzen Gruppe will zwei Zubringer-Schiffe, sogenannte Feeder, bauen, mit jeweils 100 MWh Batterie und Platz für 850 Container. Nach Stapellauf wären das die größten vollelektrischen Schiffe der Welt.
Weltweit fuhren 2024 rund 944 Schiffe mit großen Batteriesystemen, weitere 451 waren im Bau – fast doppelt so viele wie 2020.

Warum das wichtig ist
Viele Machbarkeitsstudien, die der Batterie auf See keine Chance gaben, rechneten mit Zellpreisen von $300 bis $500.
So galt die Schifffahrt lange als „hard to abate“ – als einer der Bereiche, die sich technisch kaum dekarbonisieren lassen. Denn Diesel etwa speichert pro Kilogramm 40- bis 80-mal mehr Energie als eine Batterie. Wer einen Ozeanriesen über den Pazifik bringen will, kann das nicht mit Akkus tun, ohne die halbe Ladung zu opfern. Die gleiche Logik greift bei Flugzeugen. So ist die Physik. Sie ändert sich nicht.
Geändert hat sich aber der Akkupreis.
Batteriepacks für Schiffe sind seit 2012 von rund €1.400 auf unter €400 pro Kilowattstunde gefallen und sollen bis 2030 auf gut €200 weiter sinken.

Eine Studie in Nature Energy zeigte schon 2022: Sinkt der Zellpreis Richtung $100 pro Kilowattstunde, lassen sich über 40 Prozent des globalen Containerverkehrs wirtschaftlich elektrifizieren – auf Routen unter 1.500 Kilometern.
„Geht nicht elektrisch“ ist kein Naturgesetz.
Der Markt, den wir dekarbonisieren müssen, schrumpft tendenziell. Die Aufgabe ist kleiner, als die heutige Flotte vermuten lässt.
Jede zweite Tonne Seefracht besteht aus fossilen Energieträgern – Rohöl, Ölprodukte, Kohle, Gas. Elektrische Schiffe brauchen diese nicht und je weiter die Energiewende voranschreitet, desto weniger davon muss überhaupt noch über die Meere. (Darüber hatte ich auf LinkedIn mal mehr geschrieben.)
Und doch: Es bleibt schwer
Die knapp 1000 Batterieschiffe klingen nach mehr, als sie sind. Nur etwa 18 Prozent davon fahren rein elektrisch, knapp zwei Drittel sind Hybride. Die meisten nutzen die Batterie zum Glätten von Lastspitzen oder fürs emissionsfreie Ein- und Auslaufen im Hafen – nicht als alleinigen Antrieb.
Bisher fehlen realistische Lösungen für die Hochsee. Kein Schiff kann knapp die Hälfte seiner Ladekapazität für Batterien opfern. Die Frachtraten würden explodieren und die Reederei Kunden verlieren.

Die größte Reederei der Welt hat sich schon festgelegt: Maersk hat seine erste Serie von 18 großen Dual-Fuel-Methanol-Schiffen im Mai 2025 abgeschlossen und Ende 2024 zwanzig weitere Dual-Fuel-Schiffe bestellt. Milliarden fließen also in Brennstofftechnologie, nicht in eine Batterie.
Aber: Maersk musste 2025 seinen Verbrauch erneuerbarer Kraftstoffe etwa halbieren, weil schlicht nicht genug grünes Methanol da war – und verbrennt nun teils graues Methanol, das mehr CO₂ ausstößt als der konventionelle Schiffsdiesel, den es ersetzen soll. Nun ja.
Der Hafen ist oft der Engpass: Landstrom, Netzanschluss und die Tausch-Infrastruktur für die Akku-Boxen müssen erst gebaut werden.
🍏 Was ich denke
Wir sollten uns auf eine Überraschung vorbereiten: auch die Schifffahrt könnte viel stärker elektrifiziert werden, als wir uns heute vorstellen können.
Denn ja, es ist etwas anderes einen 200.000-Tonnen-Koloss über den Atlantik zu schieben als einen Kleinwagen über die Champs-Élysées. Und ja, die Physik ist fies. 41 Prozent der Ladefläche für den Antrieb opfern? Das wird niemand tun.
Trotzdem halte ich die volle Elektrifizierung der Schifffahrt für möglich. Denn Batterien sind eine vergleichsweise junge Technologie.
Erst seit gut fünfzehn Jahren sieht sie die absurd hohen Lernraten, die wir heute gewohnt sind. Gleichzeitig beginnt sich ihr Technologiebaum entlang vieler Äste aufzufächern. Hoch spezialisierte Anwendungen bringen hoch spezialisierte Batterietypen hervor. Das sehen wir bei kleinen Flugzeugen, bei Robotern und auch bei Rennwagen. Warum sollten wir das nicht auch bei Schiffen sehen?
Lehrreich ist auch das Beispiel des E-Autos.
Sie nutzen mehr leichtes Aluminium und zum Teil hochfeste Stähle, um das Gewicht der Akkus auszugleichen. Sie haben einen flachen Boden ohne Mitteltunnel und einen längeren Radstand, um den Raum besser zu nutzen. Sie brauchen bessere Aerodynamik, um Reichweite zu gewinnen, ein ausgefeiltes Kühlsystem, um die Batterien in einem engen Temperaturband zu halten, und spezielle Software, die Akku, Motor, Fahrer und Umgebung als Einheit denkt.
Genauso wird es bei Schiffen nicht funktionieren, weil die großen Stahlpötte aerodynamisch nicht so designt werden, dass auch die dritte Nachkommastelle optimiert ist. Das lohnt sich nicht. Sie fahren rund 16 Knoten im Schnitt – gut 30 km/h. Eine sprintende Hauskatze überholt diesen Koloss locker. Aber wer ein elektrisches Schiff designt, designt in Wahrheit eine Linie, weil es Teil eines Netzes aus Ladestationen sein muss.
Wechselakkus sind dabei der Joker. Weil mit ihnen elektrische Schiffe auch dort anlanden können, wo die Hafeninfrastruktur noch nicht weit genug ist. Sie entkoppeln Schiff und Ladezeit.
Werden wir wirklich ein vollelektrisches Containerschiff der MINIMAX-Klasse, der größten überhaupt, sehen? Weiß ich nicht.
Aber die Dekarbonisierungsbemühungen der vergangenen 15 Jahre lehren uns, dass die elektrischen Technologien eher überraschen als ihre E-Fuels-Alternativen.
👉 Steige tiefer ein
Adoption and impact of battery-electric vessels (Nature Energy) – Die Studie hinter der 40-Prozent-Zahl: ab welchem Zellpreis sich welche Strecke rechnet.
Das größte E-Schiff der Welt, zerlegt (The Driven) – 5.016 Batteriemodule, über 40 MWh, 260 Tonnen: ein detaillierter Blick ins Akkusystem der „China Zorrilla“ von Incat und Corvus Energy.
Why Battery Powered Cargo Ships Are Compelling (Austin Vernon) – Die Wirtschaftlichkeits-Logik hinter dem Akku-Frachter, inklusive Wechselakku-Gedanke.
DNV Alternative Fuels Insight – Laufendes Register, welche Schiffe weltweit auf welchen Antrieb setzen. (Detaildaten teils kostenpflichtig).
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Die guten Links
☀️ Chinas Solarrallye stoppt abrupt. Obwohl das Land über 80 % aller Solarmodule baut, steckt die weltbeste Branche in der Krise: Eine Jahreskapazität von über 1.000 GW trifft auf nur 600 GW global installierte Module 2025 – und erstmals seit Jahrzehnten sinkt sogar die heimische Nachfrage, weil die Netze die Mengen nicht mehr aufnehmen. Seit 2024 sind über 40 Hersteller pleite, übernommen oder delistet, Peking hat die garantierten Einspeisetarife gestrichen; die größte Konsolidierungswelle steht laut Economist (€) aber erst noch bevor.
🌊 Während Tiefseebergbau öffentlich noch als ferne, theoretische Bedrohung verhandelt wird, behandeln ihn industrielle und staatliche Akteure längst als unvermeidliche neue Rohstoffquelle für Nickel, Kobalt und Seltene Erden. „Das Kapital fließt bereits, die Hardware wird bereits gebaut", schreibt Amanda van Dyke in einer Analyse, die die Parallele zur KI zieht: Bis die Öffentlichkeit aufwacht, ist die Infrastruktur längst verbaut.
🔋 Und der nächste Schlag gegen Batteriespeicher: Deutschlands Übertragungsnetzbetreiber wollen Speicher per „Schedule Freeze" in den letzten Stunden vor Lieferung vom Intraday-Handel aussperren – also genau dann, wenn die Volatilität am höchsten ist. Bis zu 92 % der Intraday-Erlöse hängen daran, rechnet Modo Energy vor, rund 20 % der Gesamterlöse wären weg. Auch die Erneuerbaren verlören ihren wichtigsten Partner, um späte Prognosefehler auszugleichen.
🌡️ Wie der Rhein und die Elbe unsere Wohnzimmer beheizen könnten: Flusswärmepumpen nutzen die im Wasser gespeicherte Wärme, technisch ist das erprobt und das Potenzial groß – doch in Deutschland kommt der Ausbau kaum voran. Woran es hakt, erklärt die Zeit (€).
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📈 Politik
Bundesnetzagentur: Solaranlagen-Besitzer sollen bald höheren Strompreis zahlen (Der Spiegel) €
Chinas neue CO2-Metrik reißt eine Deutschland-große Lücke in die Emissionsbilanz (Carbon Brief)
🌬️ Windenergie
Südländer wollen Windkraftausbau dort, wo die Industrie hohen Strombedarf hat (Erneuerbare Energien)
Das große Windstrom-Rätsel der deutschen Energiewende (Welt) €
🔋 Speicher & Batterien
Flexibilität zahlt sich aus: Batterieerlöse steigen im April 2026 um über 30 % (pv magazine)
Trianel, Luxcara und BKW erreichen Meilenstein für 900-MW-Batteriespeicher in NRW (EE-News)
Neue Magnesium-Zinn-Legierung hält 1.300 Stunden und steigert die Batterielebensdauer um das 400-Fache (Interesting Engineering)
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🏭 Industrie & Rohstoffe
Tata Steel und SMS Group kooperieren bei EASyMelt-Technologie für über 50 % weniger CO2 (GreenSteelWorld)
EU vergibt €400 Millionen an 65 Industriewärme-Projekte (pv magazine)
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Sunfire testet Hochtemperatur-Elektrolyseur am BASF-Standort Schwarzheide (HZwei)
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🚗 Mobilität & Ladeinfrastruktur
Fast 100.000 Euro billiger: Chinas E-Trucks kommen mit Niedrigpreisen und Hightech nach Europa (Handelsblatt) €
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Jobs, Deals & Exits
💶 Laserfusion: Focused Energy, Darmstadt, $240 Millionen in einer Series A – die bislang größte gesicherte Runde der Fusionsbranche, mit RWE als strategischem Investor und Industriepartner. Offene Stellen.
💶 Industrie-Batteriespeicher: encosa, München, €25 Millionen – €10 Millionen Eigenkapital von VC-Gebern und fünf Familienunternehmen (u.a. Warsteiner, Wepa und Julius Blum), dazu rund €15 Millionen Kreditlinie der Ascory Bank. Offene Stellen.
💶 Betonbau: ContexMesh, Vorarlberg, siebenstelliges Investment für nichtmetallische Carbon-Bewehrung im Beton; Investoren ungenannt. Keine offenen Stellen verlinkt.
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Zuletzt die altbekannte, aber für mich wichtige Frage:
👋 Träumt von einem Segelboot seit er einmal durch die dänische Karibik gesegelt ist,

