Hi Cleantechie!
Diese Woche wieder: drei Charts, die zeigen, wo die Dekarbonisierung steht. Drei Worte fassen sie zusammen: Huh? Yeah! Überraschung!
Hinweis: Ich habe die News-Sektion komplett überarbeitet. Warum erkläre ich am Ende des Newsletters. Ich freue mich über Feedback.
Lets go!
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🍏 Daniel liest diesen Newsletter und ist Cleantech Pro. Ich wollte von ihm wissen, warum er zahlt.
Er sagte: „Sobald ich etwas regelmäßig lese, bezahle ich dafür. Als der dritte Newsletter von dir kam, habe ich mich gefragt, wo ist denn hier der Abo-Knopf?“
Nun, für alle, die mitlesen: Hier ist der Abo-Knopf. 😉 👇️
1. Wird die Energiewende teurer? Kommt darauf an, wie du misst.

Was du siehst: Oben die Systemkosten (Erneuerbare, Steuerbare, Infrastruktur): Sie steigen von rund €80 auf €110 Mrd. Unten dieselben Kosten pro Megawattstunde – dort fallen sie von €160 auf €127 (−2,1 %/Jahr). Kurz: absolut teurer, pro Einheit günstiger.
Warum das wichtig ist: Der Titel verkauft nur eine Hälfte. Schau dir die beiden Grafiken genau an, sie erzählen zwei Geschichten auf einmal. Die Kosten pro erzeugter Megawattstunde fallen tatsächlich. Nur wächst die Strommenge schneller, als die Kosten sinken – deshalb klettern die absoluten Gesamtkosten weiter.
Der Chart wirft eine interessante Frage auf: Wie sollte man die „Kosten der Energiewende“ ehrlich messen?
Vier Antworten sind möglich, jede plausibel und berechtigt. Aber jede blind auf ihre eigene Art:
Gesamtkosten des Systems (Mrd. € pro Jahr) – was wir insgesamt reinstecken
Kosten pro erzeugter Einheit (€/MWh) – was die Kilowattstunde kostet
Kosten pro Haushalt/pro Kopf – was beim Einzelnen ankommt
Vollkosten inkl. Externalitäten – plus vermiedene fossile Importe & CO2-Schäden
2. Und es geht trotzdem weiter.

Was du siehst: Wie viel des unter Biden erwarteten US-Ausbaus bis 2035 unter Trumps Rollback übrig bleibt: Dach-Solar rund 95 %, Batteriespeicher ~72 %, Solar-Großanlagen ~69 %. Nur Windkraft an Land bricht unter die Hälfte ein – auf rund 27 %.
Warum das wichtig ist: Ich hatte es schon zur Wahl von Trump prognostiziert: Auf die Energiewende in den USA wird er einen kleineren Effekt haben als befürchtet. Dieser Chart belegt das – mit einem großen Aber. Windkraft an Land wird stark ausgebremst, sie ist die einzige Technologie, die unter die Hälfte des erwarteten Ausbaus fällt. Solar dagegen setzt sich durch, egal wer im Weißen Haus sitzt. Was wirklich billig und dezentral ist, hält kein Politiker mehr auf.
3. Überraschung in Wien bei der IEA! (Wieder einmal)

Was du siehst: Kannst du den Gas-Zubau in Asien erkennen? Genau, der Mini-Balken über der 17. Die gelben Balken zeigen, was die Internationale Energieagentur 2018 erwartet hatte. Beim Gas lag sie um den Faktor 32 daneben: prognostiziert +547 TWh, gekommen sind +17. Bei Solar kam fast dreimal so viel wie gedacht.
Warum das wichtig ist: Der Chart ist eine Mahnung. Egal, wie gut du dich auskennst – du kannst völlig danebenliegen. Du musst dem Neuen eine Chance geben und für möglich halten, dass es die Welt erobert. Diese Haltung führt dich auf einen schmalen Grat, zugegeben. Wer jede Technologie an ihrem Potenzial misst, liegt manchmal daneben. Nicht alles, was viel verändern könnte, verändert viel. Sonst würdest du diesen Newsletter im Metaverse lesen und mir mit Krypto ein Trinkgeld dalassen. Trotzdem ist für mich klar: Lieber ein paar Mal zuversichtlich danebenliegen, als grummelnd im Schatten der Exponentialkurven „Geht nicht!“ rufen. So ist das Leben interessanter. Und die Energieanalyse sowieso.
Hast du Anmerkungen? Antworte direkt oder nutze die Kommentarsektion.
Die guten Links
☀️ Spaniens Solarboom frisst sich selbst: In 15 Jahren flossen mehr als $80 Milliarden in erneuerbare Energie, 2025 wurde Solar die größte Stromquelle des Landes – und schon nach sechs Monaten in 2026 hat Spanien seinen Jahresrekord für Negativpreis-Stunden gerissen. Jetzt sollen mindestens vier Solar-Portfolios verkauft werden, BlackRock und vier weitere Fonds shorten Solaria, Iberdrola stoppt Deals wegen Lowball-Angeboten, berichtet Bloomberg (€).
🛢️ CO2-Abscheidung: Die Welt vergräbt weniger CO2, als ein einziges großes Kraftwerk im Jahr ausstößt, rechnet ProPublica vor. Der Text ist voller guter Vergleiche, die zeigen, wie groß die Aufgabe ist. Etwa auch der hier: Um das UN-Klimaszenario zu erfüllen, bräuchte die Welt 85 Spezialtanker, um abgeschiedenes CO2 zu den Lagerstätten zu schiffen – gebaut sind bisher drei. Oder der hier: Die USA zahlen aktuell $85 Subvention pro vergrabener Tonne; hochgerechnet auf das UN-Szenario wären das bis 2050 rund $500 Milliarden pro Jahr – mehr als Chinas Militärbudget.
⚡ Wie sich 270 GW zusätzliche Stromnachfrage bis 2030 decken lassen, ohne neue Großkraftwerke: Effizienz, virtuelle Kraftwerke und modernisierte Übertragungstechnik können laut RMI 95 Prozent davon liefern – die Systematik ist übertragbar auf Deutschland.
Die kurzen News
⭐ Das ist das Wichtigste
Europas Junihitze 2026 trieb die Strompreise auf über €1.000/MWh und legte alle Schwachstellen des Marktes gleichzeitig offen (Energy News)
Ein neuer Mittelspannungs-Längsregler von Thüga schafft 260 % mehr PV-Kapazität in bestehenden Verteilnetzen (pv magazine)
Die Koalition einigt sich auf einen Fördermechanismus für Reservekraftwerke und beendet die monatelange Blockade (Handelsblatt) €
Weitere Schlagzeilen:
🏭Unternehmen & Markt
Infineon eröffnet in Dresden das weltgrößte Leistungshalbleiter-Fab für €5 Milliarden (Interesting Engineering)
RWE-Chef Krebber sieht dauerhaft hohe Strompreise und würde gern mehr in Deutschland investieren (Business Insider)
In Europa ist fast jedes dritte Autowerk überflüssig, 35 Fabriken stehen laut Analyse vor der Schließung (Handelsblatt) €
🔬Technologie & Erfindungen
Mehr Batteriespeicher könnten das deutsche Stromsystem um fast €4 Milliarden pro Jahr entlasten, zeigt eine Fraunhofer-IEE-Studie (pv magazine)
TotalEnergies prüft den Ausstieg aus deutschen Offshore-Zuschlägen und bringt weitere Windflächen in Gefahr (Recharge)
PTFE-freie Trockenelektroden aus Graphitgranulat versprechen kürzere Ladezeiten und mehr Reichweite bei einfacherer Fertigung (Tech Xplore)
UKAEA und Eni gründen RH3OVA, um den Tritium-Brennstoffkreislauf für kommerzielle Fusionsreaktoren zu industrialisieren (Interesting Engineering)
📈Politik & Regulierung
Wirtschaftsministerin Reiche will den Südbonus für Gaskraftwerke ändern, weil er Norden und Osten benachteiligt (Handelsblatt) €
Deutschland verhilft im EU-Rat der Aufweichung der Methan-Verordnung für den Gassektor zur Mehrheit (Handelsblatt) €
Die erste Auktion der nationalen CO2-Abgabe (nEHS) räumt am Höchstpreis – Wärme, Verkehr und Kleinindustrie zahlen ab sofort den Maximalpreis von €40 (Carbon Pulse) €
🌱 Was die Startups machen
🔥 Startup der Woche
Fusion Bionic aus Dresden sammelt €8,2 Millionen ein – €5,8 Millionen Seed angeführt von Stream Capital, €2,4 Millionen stammen aus laufenden Industrieprojekten. Das Fraunhofer-Spin-off strukturiert mit Lasern Oberflächen von Glas, Metall und Kunststoff. Die nächste Pilotlinie veredelt Solarglas gegen Verschmutzung und Reflexion, ohne Chemie und bis zu 100-mal schneller als etablierte Verfahren, verspricht das Unternehmen. → 2 offene Stellen
Außerdem neu
💧 PFAS-Zerstörung – Oxyle aus Adliswil meldet einen abgeschlossenen Industriepiloten: Der firmeneigene Photokatalysator – ein Verfahren, das Ewigkeitschemikalien (PFAS) per UV-Licht direkt zerlegt, statt sie nur aufzufangen – baute kurzkettiges C3-PFAS im Abwasser zu über 99,9 Prozent ab. Der Clou: Kurzkettige PFAS sind genau der Rest, an dem klassische Filter scheitern.
→ Offene Stellen🦠 PFAS-Bakterien – CellX Biosolutions aus Zürich sichert sich acht Pilotprojekte, fünf davon zahlend. Der ETH-Spin-off geht das gleiche Problem wie Oxyle an, aber anders: Statt Licht und Chemie setzt er auf natürlich vorkommende Bakterien. Aus einem Pool von über 50 Stämmen kombiniert CellX je nach Verschmutzung die passende Mischung, die PFAS in Abwasser und Böden abbaut.
🔋 Batterie-Diagnose – Aviloo aus Wiener Neudorf testet herstellerunabhängig den Gesundheitszustand von E-Auto-Batterien und stellt darüber ein Zertifikat aus – wichtig beim Gebrauchtwagenkauf, denn die Batterie ist das teuerste Bauteil. Neu: Aviloo bündelt sein Zertifikat jetzt mit der Gebrauchtwagengarantie des Anbieters Intec (25.000 Partnerbetriebe) – Händler bekommen seit Ende Juni beides im Paket. In derselben Woche startete Aviloos eigene Batteriegarantie für gebrauchte E-Autos in Großbritannien.
Der letzte Link
Die Deutsche Bahn bekommt ab 2027 italienischen Besuch. (Pünktlich, vermutlich.)
Warum ich die News-Sektion überarbeitet habe
Ihr liebt die News-Liste. Ich liebe sie auch und nutze sie in verschiedenen Formaten täglich. Ihr zentraler Wert: einen schnellen Überblick liefern, nach einem Klick mehr erfahren.
Deswegen will ich sie noch wertvoller machen:
weniger Links, dafür härter ausgewählt und offensiver gewichtet
einfachere Navigation durch weniger Überschriften
Gleichzeitig sehe ich diesen Newsletter als eine Plattform für all die positiv Verrückten, Mutigen und Visionäre da draußen, die sich trauen, eigene Unternehmen aufzubauen. Deswegen:
bekommen Startup-News mehr Raum
hebe ich ab sofort eine Startup-Meldung hervor, die besonders viel Aufmerksamkeit verdient
Ich weiß, was ich herausgerissen habe: thematisch konzentrierte Übersichten zu Solar, Wind, Batterien etc. Daher eine Frage:
Helfen dir thematisch konzentrierte Themenfeeds weiter?
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👋 Trump kann vielleicht die Solarrevolution nicht stoppen, aber er zusammen mit der FIFA bekommt es hin, meine Fußball-Begeisterung zu stoppen. Mehr noch als es ein Ausscheiden gegen Paraguay vermochte.

