Hi Cleantechie!
Dieser Newsletter hilft dir, die wichtigsten Trends, Forschungsdurchbrüche und Geschäftsmodelle der Branche zu verstehen.
Heute zoomen wir heraus. Denn der dritte Golfkrieg hat das Potenzial, die Energiewelt zu verändern und zu einer Neubewertung grüner Technologien zu führen.
Ich habe für dich die besten Links zusammengetragen und ordne es am Ende selbst nochmal ein.
Let’s go!
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📰 Für alle, die nicht nur einmal die Woche die Nachrichten verfolgen wollen, habe ich ein kleines Tool gebaut. Zweimal täglich die fünf wichtigsten Cleantech-Nachrichten, automatisch kuratiert:
Das sind die besten Texte zu den Folgen des Iran-Kriegs für Cleantech.
1⃣ Wenn du nur Zeit hast für einen Text, dann lies diese Übersicht von Carbon Brief: Die Autoren haben zu allen wichtigen Dimensionen und Weltregionen Infos zusammengetragen. Denn ja, einerseits steigt jetzt die Relevanz grüner Technologien, weil sie als Instrument der nationalen Sicherheit geframet werden können. Andererseits könnten hohe Ölpreise die Inflation treiben, damit Zinsen hoch halten und so die Finanzierung neuer Projekte gefährden.
Ergänzend bei Reuters: fantastische Charts, die zeigen, welche Länder wie von diesem Krieg betroffen sind. Kernerkenntnis: Europa importiert kaum Öl aus dem Golf.

2⃣ Vor mehr als einem Jahr hatte ich euch hier im Newsletter Chinas Malakka-Dilemma vorgestellt: Das Land importiert große Mengen Öl durch eine Meerenge, die an der engsten Stelle kaum drei Kilometer breit ist. Im Kriegsfall wäre das ein einfaches Blockadeziel. Auch deswegen fördert China die Elektrifizierung und heimische erneuerbare Energie. Um sich unabhängig zu machen.
China bezieht zwar große Mengen Öl aus dem Iran und damit auch über die Straße von Hormuz, dürfte aber mittelfristig als Gewinner aus diesem Krieg hervorgehen, argumentieren zwei Experten in diesem Beitrag für Foreign Policy (€). Denn es liefert die Komponenten für die globale Energiewende und baut selbst Erneuerbare um. Ein Sieg für den Elektrostaat China, und eine Niederlage für den Petrostaat USA.
3⃣ Was bedeutet der Krieg für die EU? Der Thinktank Bruegel fasst es hier kompakt zusammen: „Europa ist weit weniger abhängig von Öl und LNG aus dem Golf als China, Indien, Japan oder Südkorea, aber es ist nicht isoliert.“ Und im Vergleich Öl vs. LNG ist es wiederum das Erdgas, das Europa Probleme macht.
4⃣ Michael Liebreich macht in seiner Analyse mehrere interessante Beobachtungen:
„Im Falle von Öl bedeutet die Schließung der Straße von Hormus einen Ausfall von 20 % des weltweiten Angebots. Im Falle von Gas hingegen führt die Schließung der Straße nur zu einem Ausfall von 20 % des weltweiten Seeangebots. Das sind lediglich 3 % des weltweiten Angebots.“
Würde man auf das knapper werdende Öl mit der Einführung von E-Autos reagieren, würde das mehrere Jahrzehnte dauern, weil Autos so langlebig sind.
Aber der Gasbedarf lässt sich vergleichsweise einfach ersetzen: durch Wind und Solar.
5⃣ Als Deutschland und die anderen europäischen Länder nach dem Beginn des Ukraine-Krieges weltweit Gas zu Mondpreisen einkauften, um die Versorgung zu sichern, hatte das vor allem zwei Leidtragende: Pakistan und Bangladesch. Beide Länder deckten damals einen großen Teil ihres Energiebedarfs mit Importgas. Die folgende Mangellage fingen sie mit Sparsamkeit ab, aber speziell Pakistan setzte auch zum privat finanzierten Solarwunder an. Heatmap schaut in diesem Artikel auf die Entwicklungsländer und kann zeigen: Auch dieses Mal werden Erneuerbare profitieren – und Kohle. Indien, die Philippinen, aber auch Japan haben bereits angedeutet, dass sie mehr Kohle verfeuern werden.
6⃣ Azeem Azhar sieht den Iran-Krieg als Katalysator für einen Solar-Supercycle, angetrieben von den fallenden Kosten, die nun neue Märkte erschließen, so wiederum die Kosten weiter fallen lassen, neue Märkte erschließen… Moneyquote: „Die Straße von Hormus wird wieder geöffnet. Das tut sie immer. Aber irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft könnte sie wieder geschlossen werden, denn das ist es, was Engpässe tun. Und jedes Mal wird es ein wenig weniger wichtig sein.“
🍏 Was ich denke
Der dritte Golfkrieg beschleunigt nicht nur die Einführung grüner Energietechnologien. Er beschleunigt die Einführung aller Energietechnologien, die mit möglichst wenig Importen betrieben werden können.
Das sind in den meisten Fällen Solar und Wind und Wasserkraft und Geothermie, aber eben nicht nur. Es können auch Atomkraft, Kohle und Gas sein. China etwa sitzt noch auf riesigen Frackingreserven.
In den meisten Ländern der Welt gewinnt Solar+Batterie immer das Wettrennen, aber Regierungen und Unternehmen werden sich in Fragen der nationalen Sicherheit auf alles gleichzeitig verlassen wollen, was sie kontrollieren können.
Trotzdem glaube ich, dass wir in ein paar Jahrzehnten auf den Winter, Frühling 2026 zurückschauen werden, weil er ein Wendepunkt war.
Haben die Klimaproteste und das Pariser Abkommen in den Zehnerjahren die linke Mitte von Elektrifizierung und Energiewende überzeugt, wird diese Krise hier die rechte Mitte weltweit endgültig überzeugen. Das energiehungrige KI-Wettrennen läuft ja auch noch, und überzeugt selbst MAGA von Solar.
Wir treten damit in eine neue Phase ein. Diese Ölkrise wird die letzte relevante der Geschichte sein, und Resilienz wird neben niedrigen Kosten zu einem Argument mehr, mit dem sich grüne Technologien durchsetzen können, ohne dass sich jemand ans Wirtschaftsministerium ketten muss.
Nur einen Fehler können wir Cleantechies gerade machen: ungeduldig sein. Denn die Veränderung, die in diesen Monaten beginnt, wird Jahre dauern. Erst die aktuelle Krise meistern, dann Pläne schmieden, dann Geld besorgen, dann bauen.
Aber die Veränderung wird kommen.
Hast du Anmerkungen? Antworte direkt oder nutze die Kommentarsektion.
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💶 KI/Recycling: WeSort.AI, Berlin, €10 Millionen in einer Series A. Offene Stellen.
💶 Emissionsüberwachung: AIRMO, Berlin, €5 Millionen in einer Seed, angeführt von Ananda Impact Ventures. Offene Stellen.
💶 Energie-Hardware: Hyperscale Power, Zürich, €5 Millionen in einer Seed, angeführt von World Fund. Offene Stellen.
💶 AI/Erdbeobachtung: Another Earth, Wien, €3,5 Millionen.
Der letzte Link
Ein AKW zu bauen, wird immer teurer und dauert immer länger als geplant. Gilt auch für die Bergung von Atommüll.
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Zuletzt die altbekannte, aber für mich wichtige Frage:
👋 Ich war kurz nach dem Atomabkommen für vier Wochen im Iran. Fantastisches Land, wunderbare, stolze Menschen. Ich werde wieder hinfahren. Jetzt erst recht.

