Hi Cleantechie!
Diese Woche habe ich Grafiken und Links im Gepäck über Mikroben, die am Formular scheitern, Elon Musks Megaspeicher, Wärmepumpen-Ländervergleiche, die für Deutschland nicht gut ausgehen, und gleich zu Beginn: Shoppingnews 😉
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Zwei Charts für den nächsten Supermarkt-Besuch
Einkaufstaschen aus Baumwolle müllen nicht die Straßen voll, ersticken keine Delfine und sind leichter zu entsorgen als ihre Plastikschwestern. Das spricht für sie. Aber damit sich die Baumwolltasche energetisch rechnet, muss sie mindestens 44 Einkäufe überstehen, und die Grafik zählt nur die Produktion, ohne Waschen und Entsorgung. Die Zahlen stammen aus einer Studie von 2011, aufbereitet von Works in Progress. Ich sage es mal so: Nur die wenigsten Menschen sind so gut organisiert, dass sie immer einen Jutebeutel im Supermarkt dabei haben, geschweige denn den gleichen 44-mal, und so kaufen sie eben noch einen und noch einen. Ist das auch in der Energiebilanz eingerechnet?

Energieaufwand für die Herstellung einer einzigen Einkaufstasche in Megajoule, ohne Nutzung, Waschen und Entsorgung. Daten: Muthu et al. (2011)
🌾 Bio-Landwirtschaft ist besser für Böden und Insekten, aber sie braucht mehr Platz. Die Grafik zeigt Dutzende Studien, die je ein Lebensmittel zweimal angebaut haben, einmal bio, einmal konventionell, und dann gemessen haben, wie viel Fläche ein Kilo Ertrag braucht. Nach rechts ist der Flächenbedarf des konventionellen Anbaus abgetragen, nach oben der von Bio; läge ein Punkt auf der schrägen Linie, bräuchten beide gleich viel. Kein einziger Punkt liegt unter der Linie: Bio brauchte in jeder Studie mehr Fläche, typischerweise 64 Prozent. Hannah Ritchie folgert bei Our World in Data: Würde die Welt komplett auf Bio umstellen, müsste deutlich mehr Wald zu Acker werden.

Flächenbedarf je Kilogramm Lebensmittel, biologisch gegen konventionell, jeder Punkt ein Studienpaar, logarithmische Skala.
Die guten Links
⚖️ Wenn im Stromnetz kurzfristig zu viel oder zu wenig Strom ist, kaufen die Netzbetreiber über die europäische Plattform PICASSO binnen Minuten Regelleistung ein. Am 1. April kostete es in Belgien um Mitternacht €132 pro Megawattstunde, Kraftwerke herunterzuregeln, aber nur €32, sie hochzufahren, obwohl Abschalten normalerweise der billigere Teil ist. Grund sind die sehr unterschiedlichen Gebote aus immer mehr Ländern, die in einem Topf landen, schreibt Energy News.
🔋 Elon Musks KI-Firma xAI hat an ihrem Rechenzentrum in Memphis fast unbemerkt einen Batteriespeicher gebaut, der zu den größten der USA zählt: Auf Satellitenbildern zählte Canary Media 720 Tesla-Megapacks, das entspricht 2,8 bis 3,3 Gigawattstunden, schreibt Julian Spector bei Canary Media.
🔋 Warum wollen alle eine Feststoffbatterie bauen? Weil in einer heutigen Lithium-Zelle auf jedes Gramm Lithium, das tatsächlich reagiert, rund 70 Gramm Stützmaterial kommen: Graphit für die Anode, die Kathodenstruktur etwa aus Eisenphosphat, Elektrolyt, Separator und die Metallfolien, die den Strom abführen. Ein fester Elektrolyt könnte einen Teil davon einsparen. Über $4 Milliarden haben US- und europäische Solid-State-Startups bis 2025 eingesammelt, der CATL-Chef stuft die Technik trotzdem erst bei 4 von 9 auf der Reifegradskala ein. Der Grund ist die aufwändige Fertigung, erklärt Brian Potter bei Construction Physics.
🔌 Plug-in-Hybride glänzen im Zulassungspapier mit winzigen CO2-Werten, weil der Prüfzyklus annimmt, dass sie meistens elektrisch fahren. Aber Plug-in-Hybride des Jahrgangs 2024 stoßen real 145 statt der offiziellen 24 Gramm CO2 pro Kilometer aus, zeigt InsideEVs.
⚡ Hochspannungsleiter hängen absichtlich blank im Wind: Eine Isolierung würde die Wärme stauen und Geld kosten. Genau das nutzen Saboteure seit dem Sommer mit selbstgebauten Drahtschleudern. So gingen rund 4.200 Megawatt der RWE-Braunkohleblöcke Neurath und Niederaußem auf einen Schlag vom Netz, mehr als 20 Abschussvorrichtungen fand die Polizei allein in Brandenburg. Heise rekonstruiert die technische Seite der Angriffe.
🌡️ Der Preis von Strom im Vergleich zu Gas entscheidet laut IEA stärker als jeder andere Faktor darüber, ob Menschen Wärmepumpen kaufen. In Deutschland kostet die Kilowattstunde Strom für Haushalte 3,3-mal so viel wie Gas, in Schweden 1,2-mal. Entsprechend lag der Wärmepumpen-Anteil an den Heizungsverkäufen 2024 hier bei 28 Prozent, dort über 90. Dänemark und Finnland haben die Stromsteuer fürs Heizen gesenkt, Deutschland debattiert noch darüber. CleanThinking ordnet den IEA Heat Pump Monitor 2026 ein.

❄️ Fast jede Klimaanlage der Welt kühlt noch mit dem Kompressor-Prinzip aus den 1900er Jahren, und bis 2050 kommen laut IEA 3,6 Milliarden Geräte dazu. Das US-Startup Blue Frontier trocknet die Luft stattdessen mit einer Salzlösung. Climate Tech Distillery zerlegt das Verfahren.
⛏️ Chiles Kupferminen brauchen immer mehr Strom für dieselbe Tonne Metall, weil das Erz ärmer wird: Der Kupfergehalt fiel seit 2005 von 0,93 auf 0,62 Prozent. Der Stromverbrauch je Tonne stieg im selben Zeitraum von 3,07 auf 5,16 Megawattstunden, ein Plus von 68 Prozent. Bis 2034 soll der Strombedarf der Minen doppelt so schnell wachsen wie die Förderung, rechnet der Bergbauberater Patricio Faúndez bei Mining.com vor. Das Metall der Elektrifizierung wird selbst zum Großverbraucher.
🦠 Manche Mikroben zerlegen PET-Plastik in unter 24 Stunden statt in sechs Wochen, andere lösen Seltene Erden 73 Prozent schneller aus Erz als ihre natürlichen Verwandten. In die Welt dürfen sie trotzdem nicht, weil ein US-Chemikaliengesetz von 1976 gentechnisch veränderte Mikroorganismen wie Industriechemikalien behandelt. Seit 1987 gab es mehr als 240 Anträge und kaum Genehmigungen, obwohl die Organismen außerhalb des Labors meist schnell absterben. Eine der wenigen Ausnahmen ist Pivot Bio, dessen Stickstoff-Bakterien 2022 rund 32.000 Tonnen Kunstdünger ersetzten, erzählt Niko McCarty bei Works in Progress, einem Magazin, das erklärtermaßen für weniger Regulierung wirbt. Die Mikroben scheitern am Formular.
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🌱 Was die Cleantech-Startups machen
🔥 Startup der Woche
🌫️ Climeworks aus Zürich meldet für seine Anlage Mammoth auf Island 675 Tonnen abgeschiedenes und gespeichertes CO2 im ersten Halbjahr 2026, nach 119 Tonnen im Vorjahreszeitraum: mehr als das Fünffache, bei einem Ausbauziel von 20.000 bis 22.000 Tonnen im Jahr. Die Anlage saugt CO2 mit Kollektor-Containern aus der Luft. Zwölf von geplanten 72 stehen bislang, und erst zwei davon hat Climeworks mit neuem Filtermaterial auf die versprochene Leistung von 1,37 Tonnen am Tag gebracht; die übrigen zehn sollen bis Jahresende folgen. Die Betriebskosten je Tonne sanken laut Unternehmen um mehr als die Hälfte, absolute Zahlen nennt Climeworks nicht. Wer Climeworks CO2-Entnahme im Voraus abgekauft hat, bekommt damit endlich spürbar mehr geliefert, aber Direct Air Capture bleibt vorerst ein Geschäft in Hunderten, nicht Zehntausenden Tonnen. → 7 offene Stellen
Außerdem neu
🔌 Suena aus Hamburg vermarktet für den Projektentwickler Cell Mind einen 6,9-Megawatt-Speicher im Allgäu, der neben einer Solaranlage hängt und dessen Netzengpass-Vorgaben täglich per Schnittstelle direkt in den Handelsalgorithmus fließen, statt dass jemand sie von Hand einpflegt. Grundlage ist eine flexible Netzanschlussvereinbarung mit dem Netzbetreiber Allgäu Netz. → 12 offene Stellen
🚛 FRYTE Mobility aus München schließt eine Seed-Runde über €3,5 Millionen ab, angeführt von 4impact capital und Rethink Ventures, für eine Software, die die Tourenplanung von Lkw-Flotten mit den Ladesäulen fremder Betreiber verknüpft und Ladeslots vorab reserviert. Zu den ersten Kunden zählen laut Unternehmen TRATON Charging Solutions, FIEGE und Fraport. → 2 offene Stellen
🚚 Depotcharge aus München schließt eine Pre-Seed-Runde über €2,7 Millionen ab, angeführt vom High-Tech Gründerfonds, für ein herstellerunabhängiges Netzwerk, in dem Logistikfirmen ungenutzte Ladepunkte in ihren Depots für fremde E-Lkw-Flotten öffnen; die Plattform regelt Zugang und Abrechnung. Aktiv in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Benelux. → 1 offene Stelle
🌾 Sonntag Energy aus Lindau übernimmt den Agri-Photovoltaik-Geschäftsbereich der seit November insolventen GridParity AG samt Marke, Domains und Projektpipeline, Kaufpreis ungenannt. Das Unternehmen baut hofnahe Solaranlagen von ein bis zwei Megawatt mit gleich großem Batteriespeicher, bei denen der Landwirt selbst Betreiber der Anlage wird. → 4 offene Stellen
Die wichtigsten News
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⭐ Das solltest du gesehen haben
€3,08 Milliarden kostete das Netzengpassmanagement 2025, vor allem weil Reservekraftwerke teurer wurden – bezahlt von allen Stromkunden über die Netzentgelte (E&M) €
Enerparc muss Insolvenz anmelden (pv magazine)
Regierung bringt EEG-Novelle und Netzpaket in den Bundestag ein (pv magazine)
🏭 Unternehmen & Markt
Masdar schließt Investitionspakt über €8 Milliarden für deutsche Offshore-Wind- und Batterieprojekte (Recharge)
Vattenfall gibt grünes Licht für 254-MW-Speicher in Brunsbüttel (E&M) €
Skyborn erreicht Financial Close für das Offshore-Windparkprojekt Gennaker (Windkraft-Journal)
Yara eröffnet größte CO₂-Abscheidungsanlage in Europa (ESG Today)
Proxima Fusion setzt €140 Millionen auf eine kritische Fusionskomponente, die asiatische Zulieferer dominieren (TechCrunch)
🔬 Technologie & Erfindungen
📈 Politik & Regulierung
Gasspeicher in Deutschland: Verband warnt vor leeren Speichern im Februar (Manager Magazin) €
Sondergebühr für Solaranlagen: Und jetzt auch noch ein Stromnetzsoli (Zeit)
Geplantes Lkw-Schnellladenetz an 124 Rastanlagen geht in die Umsetzung (Electrive)
Der letzte Link
In Pfullendorf hat am Montagabend ein Unbekannter weiten Teilen der Stadt den Strom abgedreht. Ein Fahndungsfoto gibt es nicht. Ein Anschlag ist aber gaanz sicher auszuschließen.
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Zuletzt die altbekannte, aber für mich wichtige Frage:
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