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Du kennst die Situation: Ein Kunde, ein Kollege, dein Schwager sagt einen dieser Sätze – "lohnt sich doch nie", "geht doch technisch gar nicht", "viel zu teuer". Diese Seite ist für genau diese Momente gebaut.
Jeder Eintrag folgt demselben Aufbau: der Einwand, die eigentliche Frage dahinter, die Antwort in einem Satz – und dann die Zahlen und Quellen mit Links zu den Newsletter-Ausgaben, in denen ich sie recherchiert habe. Du kannst die Seite vor einem Gespräch überfliegen oder einzelne Einträge danach weiterschicken.
Zuletzt aktualisiert: 8. September 2026
Kosten und Wirtschaft
"Ohne Subventionen wäre das viel teurer als Gas und Atom"
"Die Strompreise haben unsere Industrie kaputtgemacht"
Versorgungssicherheit und Netz
"Ohne Grundlastkraftwerke geht das Licht aus"
"Guck dir Spanien an – da ging einfach das Licht aus"
"Die Batteriespeicher-Projekte stehen doch nur auf dem Papier"
"Und bei zwei Wochen Dunkelflaute? Dafür gibt es keinen Speicher"
"KI-Rechenzentren fressen so viel Strom, ohne neue Gaskraftwerke geht das nicht"
Technik
"Solarmodule sind technisch ausgereizt"
"Wärmepumpen? Eine Fabrik heizt du damit nicht"
"Für all die Batterien gibt es doch gar nicht genug Rohstoffe"
Verkehr
"Elektroautos will doch keiner mehr kaufen"
Das große Bild
"Wind und Sonne liefern nicht mal zehn Prozent unserer Energie"
"Die Energiewende ist doch nur Klimaschutz"
"Was bringt das alles, wenn China ein Kohlekraftwerk nach dem anderen baut?"
"Was bringt das alles, wenn China ein Kohlekraftwerk nach dem anderen baut?"
Sind erneuerbare Energien teurer als fossile Kraftwerke?
Gaskraftwerke sind in den USA inzwischen die teuerste Stromquelle überhaupt – teurer als Wind und Solar, und zwei- bis dreimal teurer als Erneuerbare mit Speicher-Backup.
In den USA sind Gaskraftwerke für Spitzenlast – die sogenannten Peaker – inzwischen die teuerste Stromquelle überhaupt, teurer als neu gebaute Wind- und Solarparks. Das zeigt der Lazard LCOE+ Report 2025, der jährliche Goldstandard-Vergleich der Stromgestehungskosten, weil die Turbinenkosten explodiert sind und die Anlagen seltener laufen als kalkuliert. Schon 2023 lagen laut IRENA, der internationalen Erneuerbaren-Agentur, die Kosten neuer Photovoltaik-Kraftwerke im Schnitt 56 Prozent unter denen neuer fossiler oder nuklearer Anlagen. Auch im direkten Duell mit Backup-Lösungen verliert Gas: Laut einer von 'pv magazine' zitierten Studie ist Strom aus Gaskraftwerken zwei- bis dreimal teurer als eine Kombination aus Erneuerbaren und Speicher-Backup. Der Lazard-Report 2026 bestätigt den Trend – und rechnet dabei ausdrücklich ohne Subventionen: Erneuerbare bleiben auch unsubventioniert die günstigste Form neuer Stromerzeugung.
Zum Weiterlesen: EU-Accelerator-Act: Womit Cleantechies rechnen können (2026-03) · Von Mega zu Giga – der Speichermarkt tritt in eine neue Phase ein (2025-07) · Der Start-Up-Check: Reverion (2024-10)
Hat die Energiewende mit ihren hohen Strompreisen Deutschland deindustrialisiert und in die Rezession getrieben?
Die deutsche Industrieproduktion brach schon 2018 ein – lange bevor die Strompreise stiegen, und obwohl Industriestrom seit 2024 um 30 Prozent billiger wurde, hält die Krise weiter an.
Januar 2018: In diesem Monat markiert der Produktionsindex des Statistischen Bundesamts das bisherige Hoch der deutschen Industrieproduktion – und in diesem Monat eröffnet Donald Trump seinen Handelskrieg mit China. Die Industriestrompreise dagegen rührten sich laut BDEW-Strompreisanalyse 2018, 2019 und 2020 kaum. 2024 fielen sie sogar um 30 Prozent, zurück auf das Niveau von 2016/17, wo sie laut BDEW seither liegen – trotzdem hält die Krise an. Deutsche Maschinenbau-Exporte nach China fielen laut Ökonom Brad Setser seit 2018 deutlich, und im ersten Quartal 2026 brachen sie laut VDMA-Zahlen nochmals um 12 Prozent ein. Auch der Globalisierungsindex von KOF/ETH Zürich zeigt den Rückgang der chinesischen Wirtschaftsintegration seit genau diesem Zeitpunkt. Nicht der Strompreis hat Deutschlands Industrie geschwächt, sondern der wegbrechende chinesische Absatzmarkt.
Deutschland erlebte beginnend ab dem Jahr 2018 seinen ganz eigenen China-Schock.
Zum Weiterlesen: Der Mythos der Strompreis-Deindustrialisierung (2025-09)
Braucht Deutschland Grundlastkraftwerke für eine sichere Stromversorgung?
Gaskraftwerke sollen 2035 im Schnitt nur 1.450 Stunden im Jahr laufen – 16 Prozent der Zeit. Das ist Spitzenlast, keine Grundlast.
"Gas ist die einzige Grundlast, die mir noch bleibt", sagte Bundesenergieministerin Katherina Reiche der Financial Times. Grundlast heißt: rund um die Uhr. Deutsche Gaskraftwerke liefen 2024 laut Energy Charts aber nur zu 30 bis 40 Prozent ihrer Kapazität, inzwischen sind es rund 25 Prozent. Für 2035 rechnen Agora Energiewende und Prognos mit durchschnittlich nur noch 1 450 Volllaststunden pro Jahr – 16 Prozent der Betriebszeit. Wer neue Gaskraftwerke fordert, redet also über Spitzenlast und Flexibilität, ein Marktsegment, in dem längst auch Batteriespeicher mitbieten. Eine Studie von Acatech, Leopoldina und Akademieunion zeigt zudem: Ein Neubau klassischer Grundlastkraftwerke kostet nicht weniger als ein vollständig erneuerbares System. Und selbst die energieintensive Industrie widerspricht dem eigenen Verbandssprech: Wacker-Chemie-Chef Christian Hartel, dessen Konzern fast ein Prozent des deutschen Stroms verbraucht, sagt im FAZ-Interview, er könne "bestimmt 70 oder 80 Prozent" seines Energiebedarfs mit Sonnen- und Windkraft decken – Netzausbau sei "keine Raketenwissenschaft".
Zum Weiterlesen: Batterien vs. Gas: Der Spickzettel zur wichtigsten Energiedebatte 2026 (2026-04) · Der Grundlast-Trugschluss (2025-10 )
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Beweist der Stromausfall in Spanien 2025, dass zu viele Erneuerbare das Netz instabil machen?
Der spanische Blackout kam von fehlender Blindleistung und Netzplanungsfehlern, nicht von zu viel Sonne – und in Deutschland sinkt die Stromausfalldauer, obwohl der Erneuerbaren-Anteil auf fast 60 Prozent gestiegen ist.
Am 28. April 2025 stand für Stunden halb Spanien und Portugal still – seither ist der Blackout ein Kronzeuge gegen die Energiewende, in Kommentarspalten und Talkshows gleichermaßen. Was der finale Untersuchungsbericht der europäischen Netzbetreiber (ENTSO-E) im März 2026 aber zeigt: Schwingungen und Lücken im Spannungs- und Blindleistungsmanagement verursachten den Ausfall – Kraftwerke, die eigentlich helfen sollten, die Spannung im Netz stabil zu halten – Fachleute nennen das Blindleistung –, lieferten diese Unterstützung schlicht nicht. Der ENTSO-E-Vorsitzende stellte klar: "Das Problem sind nicht die erneuerbaren Energien, sondern die Spannungsregelung – unabhängig von der Erzeugungsart." Ein Vergleich der Rabobank untermauert das: Spaniens Netz ist doppelt so groß wie das niederländische, hat aber nur ein Drittel von dessen Großspeicher-Kapazität (BESS). Und in Deutschland selbst sinkt die Dauer der Stromausfälle laut Bundesnetzagentur seit Jahren – während der Erneuerbaren-Anteil auf knapp 60 Prozent gestiegen ist.
Zum Weiterlesen: Blackout in Spanien – war es schlechtes Netzmanagement? (2025-05) · 400 Mio € hat Marvel Fusion – und es reicht nicht (2025-06) · 20 GW neue Gaskraftwerke? Es geht anders (2025-04)
Kommt der Ausbau von Batteriegroßspeichern in Deutschland tatsächlich voran, oder bleiben die meisten angemeldeten Projekte nur Papier?
Batteriegroßspeicher-Anschlussanfragen wuchsen von 161 auf über 720 Gigawatt, 78 Gigawatt sind bereits genehmigt – und der tatsächliche Zubau hat sich 2025 verdoppelt.
Im November 2024 meldeten die Übertragungsnetzbetreiber laut Montel News einen 'Tsunami an Anschlussbegehren': 161 Gigawatt Batteriespeicherleistung wollten ans Netz. Ein Jahr später ist aus dem Tsunami eine Flutwelle geworden – laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegen inzwischen (Stand November 2025) Netzanschlussanträge für Großbatteriespeicher mit einer Gesamtleistung von über 720 Gigawatt vor, mehr als das Vierfache. Genehmigt sind davon mindestens 78 Gigawatt. Ja, ein Teil der Anfragen ist Mehrfachzählung oder Spekulation – selbst der BDEW rechnet damit, dass ein erheblicher Teil nie gebaut wird, weil das Netz die Kapazität schlicht nicht hergibt. Aber im ersten Halbjahr 2026 kamen laut einer IWR-Auswertung von Marktstammdatenregister-Daten rund 5,6 Gigawattstunden neue Batteriespeicherkapazität ans Netz – knapp 76 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Wir werden gerade von einem Tsunami an Anschlussbegehren überrollt.
Zum Weiterlesen: Wo ich völlig daneben lag (2026-07) · Mindestens 78 GW an großen Batteriespeichern bereits in Deutschland genehmigt (2025-12) · Anfragentsunami – so viele Batteriespeicher werden wirklich kommen (2025-04)
Gibt es bezahlbare Langzeitspeicher für mehrtägige Dunkelflauten, oder sind neue Gaskraftwerke alternativlos?
Wasserstoff in Salzkavernen kostet in der reinen Speicherung 2 bis 5 Cent pro Kilowattstunde, chinesische Druckluftspeicher liefern Strom für rund 8 Cent – und Form Energy baut für ein Google-Rechenzentrum gerade die größte Batterie der Welt, die 100 Stunden am Stück entlädt.
Deutschlands Salzkavernen an Land könnten laut einer Studie von RWTH Aachen, Forschungszentrum Jülich und Fraunhofer IEG 9,4 Petawattstunden Wasserstoff aufnehmen – rund das Zwanzigfache der Energie, die Deutschland in einem Jahr als Strom verbraucht. Die reine Speicherung kostet laut Energiewirtschaftlichem Institut der Uni Köln 2 bis 5 Cent pro Kilowattstunde, bei schlechter Auslastung bis gut 10 Cent. Batterien sind für diesen Job das falsche Werkzeug: Wer sie nur dreimal im Jahr lädt und entlädt, landet im Speicherkosten-Modell des Imperial College London bei über 13 Dollar pro Kilowattstunde. Für Wochen statt Monate gibt es Druckluft: Neue adiabatische Anlagen in stillgelegten chinesischen Salzkavernen erreichen laut einer 2025 in „Renewable Energy" erschienenen Studie Stromgestehungskosten von 7,7 bis 8,1 US-Cent. Und Eisen-Luft: Form Energy kündigte im Februar 2026 mit dem Versorger Xcel Energy einen 30-Gigawattstunden-Speicher für ein Google-Rechenzentrum in Minnesota an – 300 Megawatt, 100 Stunden Entladung am Stück, Betrieb ab 2028, laut Heatmap News die größte Batterie der Welt nach Energiekapazität. Firmenchef Mateo Jaramillo will bis Ende des Jahrzehnts unter 20 Dollar pro Kilowattstunde installierter Kapazität erreichen. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen hat 2025 vier deutsche Langzeitspeicher-Technologien ohne kritische Rohstoffe ausgezeichnet (Reverion, Ore Energy, HalioGen Power, Unbound Potential). Ein von ihr beauftragtes Positionspapier warnt: Neue Gaskraftwerke bedeuten hohe Kosten und strategische Risiken. Die Bundesregierung schreibt trotzdem seit dem 1. September 2026 die ersten 4,5 von 11 Gigawatt neuer Gaskraftwerke aus.
Batteriespeicher sind wie Regale, die nach komplizierter Anleitung zusammengebaut werden müssen. Wasserstoffspeicher in Kavernen sind wie ein Lagerhaus, das bereits steht und nur noch gefüllt werden muss.
Zum Weiterlesen: Wer grünen Stahl produziert, wenn alle anderen aufgeben (2026-03) · Druckluftspeicher: Die nischigste Nischentechnologie der Energiewende (2025-09) · Too low to meter (2025-07) · Kommen so die Langzeitspeicher? (2025-04)
Braucht wachsender Strombedarf durch Rechenzentren zwangsläufig neue Kraftwerke?
16 Gigawatt für KI-Rechenzentren, geliefert ohne ein einziges neues Kraftwerk – und laut RMI lassen sich 270 Gigawatt zusätzliche US-Stromnachfrage im kommenden Jahrzehnt zu 95 Prozent ohne neue Großkraftwerke decken.
Der Thinktank RMI hat im Februar 2026 vorgerechnet, wie die USA 270 Gigawatt zusätzliche Nachfrage im kommenden Jahrzehnt decken können, ohne ein neues Großkraftwerk zu bauen. Sein Rezept, jeweils als Anteil an diesen 270 Gigawatt: 30 Prozent liefert modernisierte Übertragungstechnik, die mehr Strom durch bestehende Leitungen schickt, 22 Prozent kommen aus virtuellen Kraftwerken, also vernetzten Heimbatterien und Thermostaten, 20 Prozent aus Effizienz, 19 Prozent aus Solar plus Speicher an bestehenden Netzanschlüssen und 5 Prozent aus sauberer Erzeugung an alten Kraftwerksstandorten. Zusammen sind das rund 95 Prozent des Zuwachses. Wie das konkret aussieht, zeigte am 24. Juni 2026 der Solarinstallateur Sunrun: Mit Tesla und Renew Home kündigte er mehr als 16 Gigawatt „schnelle, flexible Leistung" für Rechenzentren an – aus Hunderttausenden Heimbatterien und über acht Millionen vernetzten Thermostaten. Laut der Analyse von Electron Economics regeln die Thermostate bei Lastspitzen für 15 Minuten herunter, höchstens 20-mal im Jahr, so Sunruns Vertriebschef. Die Börse verstand sofort: Die Sunrun-Aktie sprang am selben Tag um 26 Prozent. Lastmanagement und Effizienz auf der Verbraucherseite ersetzen echte Kraftwerksleistung – auch bei stark wachsender Nachfrage.
Zum Weiterlesen: Was Banken bei Batteriespeichern sehen wollen (2026-07) · Warum die Energiewende teurer und billiger wird – gleichzeitig (2026-07)
Ist der Wirkungsgrad von Solarzellen technisch ausgereizt?
Erst im Juli 2026 knackte der chinesische Hersteller LONGi mit einer Perowskit-Silizium-Tandemzelle die 35,5-Prozent-Marke im Wirkungsgrad – zehn Prozentpunkte über dem, was handelsübliche Module heute schaffen.
Mitte Juli 2026 meldete der chinesische Hersteller LONGi einen neuen Weltrekord: Eine Perowskit-Silizium-Tandemzelle erreichte im Labor 35,5 Prozent Wirkungsgrad, zertifiziert von der European Solar Test Installation (ESTI) der EU-Kommission – mehr als zehn Prozentpunkte über dem, was handelsübliche Module heute liefern. Laut Fraunhofer ISE liegt der Durchschnitt kommerzieller Siliziummodule inzwischen bei knapp 25 Prozent, vor zehn Jahren waren es erst 17 Prozent. Auch das Fraunhofer-Institut selbst hält mit 34,2 Prozent für ein III-V-Germanium-Tandemmodul einen eigenen Weltrekord, Forschende der EPFL und des CSEM kommen mit einer Dreifach-Solarzelle auf 30,02 Prozent. Theoretisch stecken in Perowskit-Dreischichtzellen sogar bis zu 45 Prozent – würden alle bestehenden Solarzellen dadurch ersetzt, ließe sich rechnerisch zusätzlich zwölf Prozent des weltweiten Strombedarfs decken, ohne einen Quadratmeter mehr Fläche zu brauchen.
Zum Weiterlesen: Eine Solarzelle erzeugt 132 Prozent – und das ist kein Fehler (2026-03) · Ein ganz großes Versprechen der Energiewende (2024-11)
Funktionieren Wärmepumpen auch für industrielle Prozesswärme?
Deutschlands Großwärmepumpen-Leistung hat sich seit 2023 verdreifacht, erreicht schon 165 Grad Celsius – und ersetzt bei BASF allein 500.000 Tonnen Erdgas-Dampf pro Jahr.
In Ludwigshafen baut BASF gerade die weltgrößte Industrie-Wärmepumpe – sie ersetzt Erdgas in der Ameisensäure-Produktion, spart 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr und wird mit bis zu €310 Millionen über einen Klimaschutzvertrag gefördert. Das widerlegt den Mythos, Schwerindustrie ließe sich nicht elektrifizieren. Laut Fraunhofer IEG stieg Deutschlands installierte Großwärmepumpen-Leistung von rund 60 Megawatt Ende 2023 auf etwa 180 Megawatt 2025 – eine Verdreifachung in zwei Jahren. In Mannheim, Köln, Hamburg, Hannover und Ludwigshafen entstehen fünf weitere Anlagen zwischen 30 und 165 Megawatt für über €600 Millionen, 71 zusätzliche Projekte mit zusammen rund 900 Megawatt sind laut Branchenmedium ZfK in Planung. Kommerzielle Anlagen erreichen bereits bis zu 165 Grad, einzelne Modelle bis 200 Grad. Ein Report von Future Cleantech Architects zeigt zudem: Europas Industrie verbraucht 831 TWh Erdgas jährlich für Prozesswärme – 18,3 Prozent des gesamten Gasbedarfs –, doch die meisten Prozesse brauchen nur rund 160 Grad statt der oft zitierten 1000 Grad. Für Hochtemperatur-Prozesse ist direkte Elektrifizierung sogar günstiger als Wasserstoff.
Zum Weiterlesen: Die Wärmewende, die niemand bemerkt (2026-04) · Die Treibhausgase der Energiewende (2024-10)
Reichen die Rohstoffe, um Verkehr und Stromsystem mit Batterien zu versorgen?
Verbrenner verbrauchen jedes Jahr 17-mal mehr Rohöl, als wir insgesamt und einmalig an Batterie-Rohstoffen fördern müssten, um den gesamten Straßenverkehr für immer elektrisch zu betreiben.
Das Rocky Mountain Institute hat 2024 im Report „The Battery Mineral Loop" nachgerechnet: Rund 125 Millionen Tonnen Batterie-Rohstoffe müssten einmalig aus dem Boden, um den globalen Straßenverkehr dauerhaft mit Batterien zu versorgen – danach hält Recycling den Kreislauf am Laufen. Verbrennungsmotoren verbrauchen 2.150 Millionen Tonnen Rohöl. Jedes Jahr. Der Unterschied: Öl ist nach dem Verbrennen weg, Lithium, Nickel und Kobalt bleiben in der Batterie und lassen sich zurückgewinnen. Dazu kommt, dass Batterien immer weniger davon brauchen: Der Nickelbedarf pro Fahrzeug ist laut RMI im vergangenen Jahrzehnt um fast 45 Prozent gesunken, weil Zellen dichter wurden und die nickelfreie Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP) den Markt erobert – 2025 überholte LFP laut Marktforscher Rho Motion erstmals die Nickel-Chemien im weltweiten E-Auto-Absatz. RMI erwartet den Höhepunkt der Nachfrage nach neu geförderten Batterie-Rohstoffen innerhalb eines Jahrzehnts. Bis 2050 könnte der Bergbau für Batterien nahezu enden, weil Recycling den Bedarf deckt.
Würden wir genauso viele Batterie-Rohstoffe abbauen wie wir Öl fördern, könnten wir elektrische Verkehrssysteme auf allen Planeten des Sonnensystems und darüber hinaus aufbauen.
Zum Weiterlesen: Der Batterie-Rohstoff-Trugschluss (2024-09)
Bricht die Nachfrage nach Elektroautos ein?
Im Juni 2026 wurden E-Autos in Deutschland erstmals zur meistverkauften Antriebsart überhaupt – mit 78 Prozent mehr Neuzulassungen als im Vorjahr.
Im Juni 2026 wurden in Deutschland erstmals mehr reine Elektroautos neu zugelassen als jede andere Antriebsart: 84.057 BEV, ein Plus von 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Marktanteil 28,4 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 legten die Neuzulassungen um 48 Prozent zu. Auch global zeigt sich kein Einbruch: 2025 wurden laut PwC Autofacts weltweit 13,7 Millionen batterieelektrische Autos ausgeliefert, 3,1 Millionen mehr als im Vorjahr, ein Plus von 30 Prozent. Woher kommt dann der Eindruck vom Einbruch? Meist von einzelnen Herstellern oder Märkten: Tesla lieferte im ersten Quartal 2024 acht Prozent weniger aus als im Quartal zuvor – während BMW im gleichen Jahr 74 Prozent mehr E-Autos verkaufte. Und der US-Markt brach im vierten Quartal 2025 tatsächlich um 36 Prozent ein – aber nur, weil Trump die 7.500-Dollar-Steuergutschrift zum 30. September abgeschafft hatte, nicht weil die Nachfrage grundsätzlich wegbricht.
Teslas Probleme sind vor allem: Teslas Probleme.
Zum Weiterlesen: Kein Markt, sondern Philanthropie (2026-04) · KI braucht viel Strom, aber zu wenige brauchen KI (2025-04) · Dagobert DAC - CO2-Startups bekommen neues Geld (2024-04)
Liefern Erneuerbare wirklich nur einen winzigen Bruchteil unserer Energie?
Wer mit Primärenergie-Statistiken gegen die Energiewende argumentiert, plädiert eigentlich fürs Verschwenden: Deutschland wirft heute schon über 30 Prozent seiner Primärenergie einfach weg.
Manuel Frondel vom RWI sagte es 2022 im NDR so deutlich: Erneuerbare deckten "nur 16 Prozent" im deutschen Primärenergiemix – trotz milliardenschwerer Förderung. WELT-Redakteur Daniel Wetzel schrieb, Wind und Solar deckten "acht Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs". Beide stützen sich auf eine Kennzahl, die systematisch in die Irre führt: Sie vergleichen Kilowattstunden Windstrom mit Kilowattstunden Kohle, Öl und Gas, als wären die gleichwertig. Sind sie nicht. Ein E-Auto-Motor ist zwei- bis vierfach effizienter als ein Verbrenner, eine Wärmepumpe holt aus einer Kilowattstunde Strom bis zu vier Kilowattstunden Wärme – während selbst modernste Kohlekraftwerke nur 45 Prozent Wirkungsgrad erreichen. Laut Energieflussbild der AG Energiebilanzen verpufft dadurch jedes Jahr mehr als 30 Prozent der deutschen Primärenergie ungenutzt als Abwärme, während der Gesamtbedarf laut Umweltbundesamt seit dem Mauerfall sinkt – obwohl die Wirtschaft seither auf mehr als das Doppelte gewachsen ist.
Wir haben 30 Prozent Verschwendung in unserem System eingebaut und hielten das so lange für normal, wie es keine Alternative gab.
Zum Weiterlesen: Das größte Energiewende-Missverständnis (2024-06)
Hat die Energiewende einen strategischen oder sicherheitspolitischen Nutzen, oder ist sie reine Klimapolitik?
80 Prozent von Chinas Öl laufen durch eine drei Kilometer schmale Meerenge – E-Autos und Wärmepumpen machen dieses Nadelöhr für Peking zunehmend irrelevant.
Drei Kilometer breit, ein Nadelöhr für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt: Durch die Straße von Malakka bei Singapur fließen laut Deutscher Welle rund 80 Prozent von Chinas Ölimporten – bei einem Gesamtverbrauch von 770 Millionen Tonnen pro Jahr. Chinesische Militärstrategen nennen diese Verwundbarkeit seit 2003 das "Malakka-Dilemma". Pekings wirkungsvollste Antwort darauf ist nicht die Marine, sondern die Steckdose: Laut IEA-Kommentar vom 11. März 2025 hat Chinas Nachfrage nach Benzin, Kerosin und Diesel ihr Plateau erreicht – 2024 lag sie nur noch knapp über dem Niveau von 2019 und 2,5 Prozent unter dem von 2021, weil E-Autos mittlerweile rund die Hälfte aller Neuwagenverkäufe ausmachen und allein 2024 das Treibstoffwachstum um 3,5 Prozentpunkte drückten. Ein Plateau der gesamten Ölnachfrage erwartet die IEA noch in diesem Jahrzehnt. Elektrifizierung baut für China aktiv eine strategische Achillesferse ab – ein Kalkül, das sich auf jedes ölimportierende Land übertragen lässt.
Wer elektrifiziert, kontrolliert seine Nachschublinien.
Zum Weiterlesen: Der versteckte Grund für Chinas Erneuerbaren-Boom (2025-03)
Steigen Chinas Emissionen ungebremst weiter – und macht das deutschen Klimaschutz wirkungslos?
Im ersten Halbjahr 2026 kam erstmals weniger als die Hälfte von Chinas Strom aus Kohle, und seine CO2-Emissionen haben ihren Höchststand vom März 2024 seither nicht mehr überschritten – weil Wind und Solar schneller wachsen als der Stromhunger.
Ja, China baut weiter Kohlekraftwerke. Aber sie laufen immer seltener, weil Wind und Solar ihnen den Strom abnehmen. Laut Chinas Energiebehörde NEA lag der Kohleanteil an der Stromerzeugung im ersten Halbjahr 2026 bei 49,7 Prozent – zum ersten Mal unter 50 Prozent. Im Mai 2024 hatte Carbon Brief das damalige Rekordtief noch mit 53 Prozent vermeldet. Die CO2-Emissionen haben laut Carbon-Brief-Analyst Lauri Myllyvirta im ersten Quartal 2025 erstmals strukturell abgenommen (minus 1,6 Prozent). 2025 als Ganzes lagen sie 0,3 Prozent unter dem Vorjahr, die des Stromsektors 1,5 Prozent. Anfang 2026 stiegen sie wieder um 2 Prozent, weil überlastete Netze Wind- und Solarstrom abregeln mussten – sie bleiben aber unter dem Höchststand vom März 2024. Der Trend: Chinas Emissionen sind seit Frühjahr 2024 flach oder fallend, obwohl die Wirtschaft wächst. Und das Argument war schon vorher schief: Wer sagt, deutscher Klimaschutz bringe nichts, solange China emittiert, befreit mit derselben Logik jeden Staat der Welt von der Pflicht. Auch China, das auf Deutschland zeigen könnte.
Dieses Argument war noch nie stichhaltig. Jetzt ist es auch noch falsch.
Zum Weiterlesen: Aber China... (2025-05) · Das europäische Batteriebeben, kurz erklärt (2024-07)
Dauern große Energiewenden zwangsläufig Jahrzehnte?
Großbritannien stellte binnen zehn Jahren 14 Millionen Haushalte von Stadtgas auf Erdgas um, Frankreich brachte Anfang der 1980er alle zwei bis drei Monate einen neuen Atomreaktor ans Netz – schnelle Energiewenden sind historisch mehrfach belegt.
Großbritannien rüstete ab Ende der 1960er Jahre 14 Millionen Haushalte und 40 Millionen Geräte von Stadtgas auf Erdgas um – Haus für Haus, mit Umrüstteams, in weniger als zehn Jahren. In den USA hatten 1936 nur zehn Prozent der ländlichen Haushalte Strom; 14 Jahre nach dem Rural Electrification Act waren es 90 Prozent. Indonesien holte zwischen 2007 und 2012 laut Weltbank rund 30 Millionen Haushalte vom Kerosin-Kocher zum Flüssiggas. Und Frankreich baute nach der Ölkrise seinen Atomstromanteil von vier Prozent (1970) auf über 70 Prozent (1990) aus. Gemeinsamer Nenner: Ein Staat legte sich auf eine marktreife Technologie fest und setzte seine volle Macht ein. Genau das ist heute bei E-Autos, Speichern und Wärmepumpen möglich – die Technik ist reif, die Frage ist der politische Wille.
Technologieoffenheit bei reifen Technologien ist immer eine Hinhaltetaktik.
Zum Weiterlesen: E-Autos, Speicher und Wärmepumpen könnten noch schneller kommen (2024-09)

Rico Grimm · Klima- und Deeptech-Journalist
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