Hi Cleantechie!
Dieser Newsletter hilft dir, die wichtigsten Trends, Forschungsdurchbrüche und Geschäftsmodelle der Branche zu verstehen.
Diese Woche habe ich für euch News, gute Links und Charts, die den aktuellen Cleantech- und Klimamoment beleuchten. Sie lassen sich sauber in hochwissenschaftliche Kategorien einteilen. Und zwar in: Mmh, Urrgh, Tja und Nice.
Vielen Dank an die knapp 190 Leser und Leserinnen, die mir Fragen zu Natrium-Ionen-Batterien geschickt hatten in der jüngsten Umfrage. Ich stürze mich nun in die Recherche.
Lets go!
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🍏 Daniel liest diesen Newsletter und ist Cleantech Pro. Ich wollte von ihm wissen, warum er zahlt.
Er sagte: „Sobald ich etwas regelmäßig lese, bezahle ich dafür. Als der dritte Newsletter von dir kam, habe ich mich gefragt, wo ist denn hier der Abo-Knopf?“
Nun, für alle, die mitlesen: Hier ist der Abo-Knopf. 😉 👇️
1. Mmh. Die Kirschblütenbäume in Kyoto blühen früher als jemals zuvor.

Quelle: John Bistline auf X
Was du siehst: Japanische Chronisten notieren jedes Jahr, wann die Kirschbäume blühen. Jeder Punkt ist ein Jahr (812 bis 2026), die rote Trendlinie glättet die Schwankungen. Ein Jahrtausend lang lag der Blühzeitpunkt stabil zwischen Anfang und Mitte April. Seit der Industrialisierung verschiebt sich die rote Linie dramatisch nach oben. 2025 markiert den frühesten je gemessenen Zeitpunkt: 25. März.
Warum das wichtig ist: Das „Klima“ hat noch nie jemand gesehen, noch nie hat jemand CO₂ gerochen und der Treibhauseffekt ist zwar direkt im eigenen Hausgarten beobachtbar, aber im planetaren Maßstab auch abstrakt. Dieser Chart, oder besser, was er zeigt, erinnert uns Cleantechies daran, dass Emissionskurven und Modellrechnungen das eine sind, aber Kirschblüten, die zwei Wochen früher als zu Zeiten der Samurai blühen, das andere. Viel greifbarer.
2. Urrgh. Uns steht ein Super-El-Niño bevor, der das Klima dauerhaft verändern könnte.

Quelle: The Climate Brink
Was du siehst: Der Chart zeigt den ENSO-Nino-3.4-Index von 1990 bis heute. Rot eingefärbte Flächen = El-Niño-Phasen (wärmer als +0,5 °C), blaue Flächen = La Niña (kälter als −0,5 °C). Die schwarze Linie zeigt die beobachteten Werte. Am rechten Rand schießt die gestrichelte Vorhersagelinie steil nach oben: Das Multi-Modell-Mittel prognostiziert eine Anomalie von über +2,5 °C – stärker als die Super-El-Niños von 1997/98 und 2015/16.
Warum das wichtig ist: Die Erdtemperatur steigt und das zyklische Wetterphänomen namens El Niño verstärkt alle paar Jahre noch einmal zusätzlich die Ausschläge; Sturm, Dürre, alles wird etwas unvorhersagbarer. Für dieses Jahr nun erwarten die Experten einen Super-El-Niño, der nochmal heftiger wird als der letzte, der damals schon begleitet war von heftigen Temperaturanstiegen. Forscher vermuten, dass El Niño das Erdklima dauerhaft in neue, in unserem Fall heißere Epochen überführen kann.
Rekorde der schlechten Art und Katastrophenmeldungen könnten dieses Jahr wieder häufiger kommen.
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Zwei Texte von mir bei Krautreporter (€):
3. Tja. Viele KI-Rechenzentren sind angekündigt, werden aber nicht gebaut.

Quelle: Bloomberg
Was du siehst: Ein Balkendiagramm von Sightline Climate zeigt die geplante Rechenzentrums-Kapazität in den USA. Orange = angekündigt, schwarz = tatsächlich im Bau. Der größte Balken ganz rechts: rund 35 GW ohne bekanntes Fertigstellungsdatum.
Warum das wichtig ist: Ja, es gibt einen großen Hype um KI, und ja, die Anbieter geben unvorstellbare Summen aus, um Rechenzentren zu bauen – und doch müssen wir trotzdem nicht den Kopf in den Sand stecken. Das war mein Argument vor mehr als einem Jahr, als ich argumentierte, dass der KI-Boom unter dem Strich der Energiewende sogar helfen wird, indem er Geld und Aufmerksamkeit für Netze und neue Erzeugungstechnologien mobilisiert. Außerdem, und das zeigt uns der Chart, werden ohnehin nicht so viele Rechenzentren gebaut, wie angekündigt werden. Ironischerweise auch, weil es so schwer ist, an Strom zu kommen.
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Heatmap News: How to Power AI With Solar – zeigt, wie Off-Grid-Solar-Microgrids Rechenzentren versorgen können
Die nächste Elektrifizierungswelle: Weniger Menschen = mehr Roboter = mehr Strom
4. Nice! Der Preis von Lithium-Ionen-Batterien ist um 99 % gefallen.

Quelle: Our World in Data
Was du siehst: Der Chart von Our World in Data zeigt den Preisverlauf von Lithium-Ionen-Batteriezellen in US-Dollar pro Kilowattstunde als fallende Linie. Dann Sturzflug auf heute rund 50 Dollar pro kWh.
Warum das wichtig ist: Wer ein bisschen im Thema steckt, hat diesen Chart schon ein Dutzendmal gesehen. Also fast genau diesen Chart: Denn auf der Version, die immer wieder durch die Feeds schlittert, sind die Preise „nur“ um 97% gefallen, jetzt aber haben wir die 99% geschafft. Nächstes Ziel müssen die 99,1% und 99,2% sein. Das hört sich nach Pipifax an, kommt aber weiteren Halbierungen gleich.
👉 Steige tiefer ein
How We Got the Lithium-Ion Battery – Construction Physics: die ganze Geschichte von Exxons Laboren bis zu CATLs Fabriken – und warum 97 % Preisverfall kein Zufall sind
Der Batterie-Rohstoff-Trugschluss – warum Rohstoffknappheit die Batteriewende nicht aufhalten wird
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Die guten Links
🌍 Elektrostaat oder Petrostaat – wer gewinnt das 21. Jahrhundert? Adam Tooze argumentiert in seinem Chartbook, dass jede Volkswirtschaft ein Elektrostaat werden kann. Es ist keine Frage natürlicher Ressourcen, sondern politischer Wahl. Interessante und wichtige Differenzierung für zwei Begriffe, die beginnen, unseren Weltblick zu prägen!
🛢️ Milliarden Dollar aus dem Golf stecken tief im Climate-Tech-Stack – und jetzt ist die Straße von Hormuz dicht. Heatmap News zeigt, wie die Kapitalflüsse versiegen: Aramco kürzt seine Blue-Ammonia-Ziele von 11 auf 2,5 Millionen Tonnen, ADNOC verschiebt Wasserstoff-Projekte auf unbestimmt, und Gründerinnen wie Johanna Wolfson von Azolla Ventures berichten, dass Golf-Pilotprojekte auf Eis liegen.
🔋 Acht Rechenfehler, die Gewerbespeicher auf dem Papier besser aussehen lassen als in der Realität. Der Solarserver mit einem Praxis-Check, der Geld spart. (Geschrieben von einem Cleantechie 🤙 )
🧪 Unter der Erdoberfläche lagern Millionen Megatonnen Wasserstoff - förderbar für geschätzte 0,50 €/kg. Geologischer Wasserstoff könnte die erste neue Primärenergiequelle seit fast einem Jahrhundert sein. Der World Fund hat einen Überblick zusammengetragen.
🇨🇳 Grünes Methanol ist der Schlüssel zur Dekarbonisierung der Schifffahrt und ein Baustein für fossilfreie KuKunststoffe – es ist ein Markt, den die EU mit ihrer E-Fuels-Strategie eigentlich dominieren wollte. Stattdessen laufen vier Großanlagen in China, Europa hat eine einzige in Dänemark und das belgische Startup VioNeo verlegt seine erste Fabrik von Antwerpen nach China – weil dort Infrastruktur, Genehmigungen und grüner Wasserstoff auch tatsächlich verfügbar sind. Superber Überblick im Industry Decarbonization Newsletter.
Die wichtigsten News
NEU: Du brauchst auch unter der Woche Nachrichten? Dann schau in meine News-Übersicht.
☀️ Solarenergie
PV erspart Europa täglich über 111 Millionen Euro (pv magazine)
🌬️ Windenergie
🔋 Speicher & Batterien
Batterien mit höherer Energiedichte für die Langstrecke (WiWo) €
Die Rückkehr negativer Preise: Batterieerlöse im Februar 2026 (pv magazine)
EnerVenue schließt Serie B über 300 Millionen US-Dollar ab (Energy-Storage.News)
Akkus ausdrucken: 20% billiger als Gigafactorys (Geladen Podcast)
⚡ Netze & Infrastruktur
Netzengpässe bedrohen 120 GW geplante Erneuerbare (pv magazine)
Abschaltungen bei Netzengpässen kosten Milliarden (Handelsblatt) €
Wärmepumpen lösen erstmals Gasheizungen ab (Capital)
Google arbeitet mit Gaskraftwerk für KI-Rechenzentrum zusammen (Guardian)
🏭 Industrie & Rohstoffe
Trafiguras milliardenschwere Recycling-Wette (Latitude Media)
Röhm investiert in chemisches Recycling (Chemanager)
🧪 Wasserstoff & E-Fuels
tesa setzt auf H2 (CleanThinking)
Fraunhofer ISI zerlegt Wasserstoff-Mythen (Ingenieur)
Toshiba PEM-Elektrolyseur -90% Iridium (FuelCellsWorks)
Etzel-Wasserstoffspeicher-Pilottests mit 90 Tonnen (Energy News)
Grüner Wasserstoff frisst Turbinen (Ingenieur)
📈 Politik
Was die Insolvenz eines Unternehmens für saubere Kochherde für Kohlenstoffmärkte bedeutet (Bloomberg Green) €
EU-Kohlenstoff stärkt sich mit minimalistischem MSR-Revisionsvorschlag (Carbon Pulse) €
Neuer Energieausweis: Was Immobilieneigentümer jetzt wissen sollten (WELT) €
Das machen die Startups
Komptech setzt auf Startup Findustrial (Der Brutkasten)
Microharvest: Proteinwerk in Leuna (Handelsblatt) €
Feldwerke: 17 MW Agri-PV in Bayern (pv magazine)
Funding & Exits
💶 Bio-Lebensmittelrettung: Afreshed, Linz, übernimmt Etepetete und vereint die beiden größten Ugly-Produce-Aboboxen im DACH-Raum. Mittlerer siebenstelliger Betrag, angeführt von Raiffeisen-Holding NÖ-Wien (25,1 % Beteiligung). Offene Stellen.
💶 Gebäudesanierung: ecoworks, Berlin, €23 Millionen Projektfinanzierung für Deutschlands größtes serielles Sanierungsprojekt – 192 Wohnungen in Hagen, Baujahr 1966, Ziel KfW-55. Offene Stellen.
Der letzte Link
Jup, DAS ist German Engineering.
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Zuletzt die altbekannte, aber für mich wichtige Frage:
👋 Ich habe im Titelbild dieser Ausgabe sehr bewusst mit der üblichen Ästhetik gebrochen. Fand’s einfach schön!

