Hi Cleantechie!
Diese Ausgabe kommt einen Tag später als gewohnt, dafür bitte ich um Entschuldigung. Am Montagabend, an dem ich den Newsletter normalerweise zusammenstelle, war ich leider unpässlich.
Dafür ist es mal wieder Zeit für eine Gute-Links-Sonderausgabe. Ich habe ein paar fantastische Sachen gefunden: einen geheimen E-Auto-Champion, Krematorien, die Schwimmbäder heizen, einen Megadeal in der Netzbranche und die Antwort auf die Frage, warum die Leag gerade bei der Kraftwerksauktion des Bundes abgeräumt hat.
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Die guten Links
⚡ Endlich ist der Moment da, auf den große Teile der deutschen Energiewirtschaft gewartet haben: Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse der ersten Ausschreibung nach dem StromVKG veröffentlicht. Abgeräumt haben RWE und die Leag, die dem tschechischen Milliardär Daniel Křetínský gehört. Die Leag hat dabei mit einem Kniff gearbeitet: Sie hat alte Braunkohleblöcke umgewidmet und will sie zu Gaskraftwerken umbauen. Weil sie viele Teile wiederverwenden kann, konnte sie besonders billig bieten. Den Hintergrund habe ich bei der WirtschaftsWoche gelesen, sehr interessant. Ist zwar wirklich kein Cleantech, aber gut, um den Energiemarkt zu verstehen.

Quelle: Tom Hegen
⛏️ Die Geräte der Energiewende sehen wir überall: Trafos, E-Autos, Wärmepumpen, Hochspannungsleitungen. Zwei Dinge sehen wir nie: den Strom und die Rohstoffe, aus denen all diese Geräte bestehen. Deshalb bin ich dankbar, dass ich die Fotos von Tom Hegen entdeckt habe. Der Luftfotograf wurde mit Bildern von Braunkohletagebauen bekannt. In seinem neuen Buch „The Mineral Age“ zeigt er die Landschaften, aus denen Lithium, Kobalt, Nickel, Kupfer und Seltene Erden kommen: Lithiumbecken, terrassierte Tagebaue, gelbes Wasser auf rotem Boden neben Regenwald, aber auch Solarfelder und Windparks. Fantastische Aufnahmen. Sie erinnern daran, dass die Energiewende große Dinge in der echten Welt bewegt. Und dass das trotz allem Folgen für die Umwelt hat.
🗺️ Man würde denken, eine staatliche Stelle schaut sich an, wo in Deutschland überall Rechenzentren entstehen. Schließlich hat der Bundeskanzler gerade erst wieder ausgerufen, Deutschland zu einem führenden KI-Standort zu machen. Doch das tut keine Behörde, sondern ein Kollektiv von NGOs (AlgorithmWatch, FragDenStaat und Stichting Leitmotiv). Als Heiße-Luft-Kollektiv geben sie eine interaktive Deutschlandkarte heraus. Darauf sind sogar Proteste und neue Gaskraftwerke eingezeichnet. Die Verbrauchswerte sind leider nur Schätzungen. Trotzdem: eine sehr, sehr nützliche Karte. Danke für die Arbeit!
🔌 2024 verkaufte Siemens Energy seine Berliner Tochter Trench, einen Hersteller von Hochspannungsdurchführungen für Transformatoren, Berichten zufolge für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag an den Finanzinvestor Triton. Der Münchner Konzern steckte damals in der Windkrise. Jetzt zahlt der US-Konzern GE Vernova 9 Milliarden Dollar für dieselbe Firma. Was für ein Deal! Die WirtschaftsWoche analysiert ihn sehr gut.
⚙️ Rund 50 Millionen Elektromotoren in US-Fabriken und -Gebäuden ziehen zusammen etwa ein Drittel des US-Stroms, und ein über 50 Jahre altes Gerät könnte davon 40 bis 60 Prozent einsparen: der Frequenzumrichter. Warum er trotzdem nur in jedem sechsten Industriemotor steckt, erklärt IEEE Spectrum.
🚛 Der chinesische Lkw-Hersteller Windrose veröffentlicht die CAD-Modelle aller 1.023 Teile seines elektrischen Sattelzugs E700. Wer jetzt denkt, er könne sich damit sofort seinen eigenen E-Lkw bauen, den muss ich bremsen: Dafür braucht es weiter einen Vertrag mit Windrose. Wer aber Teile für Wartung, Reparatur oder Umbauten braucht, darf die Modelle nutzen. Ein sehr interessanter Ansatz, berichtet Electrek.

Quelle: Carbon Brief, eigene Darstellung
🇬🇧 Wer in Großbritannien sein E-Auto zu Hause im Nachttarif lädt, fährt inzwischen neunmal billiger als mit Benzin oder Diesel, mit normalem Stromtarif immerhin dreimal, hat Carbon Brief ausgerechnet.
🇪🇹 In einem Video beleuchtet Bloomberg den in meinen Augen wahren E-Auto-Champion der Welt: Äthiopien. Dass ein reiches Land wie Norwegen schnell elektrifiziert, okay. Bei einem armen Land wie Äthiopien war das nicht zu erwarten. Es zeigt, wie wichtig klare Regierungspolitik ist.
👒 Zielgruppe der frühen E-Autos waren nicht statusbewusste männliche Early Adopter in ihren 40ern und 50ern, sondern: Frauen. Der Grund ist einfach. Die Autos brauchten keine schwergängige Kurbel zum Anlassen. Also dachte Mann sich, das sei doch ein Produkt für Frauen. Die Idee starb, als 1911 der elektrische Anlasser in die Verbrenner einzog. Ein schöner kleiner Blick in die Geschichte bei IEEE Spectrum.
🧪 Die Abscheidung und Speicherung von CO₂ (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) ist für einige Industrien wahrscheinlich nötig. Trotzdem bleibt sie umstritten, weil sie jahrzehntelang als Allheilmittel galt. Eine große Recherche des US-Investigativmagazins ProPublica zeigt, wie es dazu kam: Das Versprechen des Weltklimarats, CO₂-Speicher seien sicher, beruhte auf einer anonymen (!) Umfrage unter Experten.
🌬️ Es ist das höchste Windrad der Welt, aber um es zu sehen, muss man natürlich in die Lausitz fahren. Wer seinen nächsten Wochenendausflug nicht dorthin plant, schaut sich stattdessen dieses Video von 3sat an. Beeindruckende Bilder.
🔥 Krematorien überall auf der Welt nutzen ihre Abwärme, um damit umliegende Gebäude zu heizen. Makaber? Kommt wohl auf die Einstellung an. Als ein britisches Krematorium seine Öfen auf Sparbetrieb umstellte, waren die Familien erst geschockt. Dann sagten sie Sätze wie: „Papa hat zu Hause auch immer das Licht ausgemacht.“ Mehr bei Wired.
🌱 Was die Cleantech-Startups machen
🔥 Startup der Woche
🚗 Qwello aus München sichert sich eine Wachstumsfinanzierung über bis zu €55 Millionen, davon bis zu €25 Millionen vom ABN AMRO Sustainable Impact Fund, den Rest von Tiger Infrastructure und weiteren bisherigen Gesellschaftern; den Lead-Investor, also den federführenden Geldgeber, nennt die Firma nicht. Qwello plant, baut und betreibt Ladesäulen am Straßenrand für Städte und Gemeinden, nach eigenen Angaben mehr als 19.500 Ladepunkte in Europa. → 9 offene Stellen
Außerdem neu
♻️ Concular aus Berlin schließt einen Rahmenvertrag bis 2030 über die Wiederverwendung von Bauteilen mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, laut Concular-Chef Dominik Campanella dem größten Liegenschaftsbetrieb Deutschlands. Die Firma prüft künftig anstehende Sanierungen des Landes auf wiederverwendbare Bauteile, lagert sie zwischen und zertifiziert sie neu. → 3 offene Stellen
Die wichtigsten News
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⭐ Das solltest du gesehen haben
€100 je Megawattstunde hat der europäische Gaspreis am 28. Oktober erstmals seit Dezember 2022 überschritten. Vor dem Iran-Krieg Ende Februar lag er bei rund €32. Europas Gasimportrechnung steigt durch den Krieg um €18 bis 33 Milliarden, und EU-Energiekommissar Dan Jørgensen spricht von einer weiteren Energiekrise (Euronews). Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass die Lage bis weit ins Jahr 2027 angespannt bleibt (E&M)
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Der letzte Link
Was passiert, wenn deinem E-Bike ohne Kette der Akku ausgeht? Der unendliche Schildkröten-Modus.
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