Hi Cleantechie!
Diese Woche ein kurzes Update: über eine Wärmepumpe im Kuhstall. Und wie immer dabei: die wichtigsten News und die guten Links.
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Eine Wärmepumpe im Kuhstall
Viele, die mir nach der Anmeldung für diesen Newsletter schreiben, frage ich, welchen Bezug sie zum Thema haben. Oft ist es der Beruf oder der Wunsch, das eigene Haus zu dekarbonisieren.
Bei diesem neuen Leser aber, nennen wir ihn Paul, kam eine Antwort, die ich noch nicht gehört habe.
Paul ist fast 80, war Milchviehhalter. Seine Abwärme hat er schon genutzt, da war mein Vater kaum geboren: Ab 1962 wärmte die Milchkühlung sein Duschwasser – dank eines benachbarten Landmaschinentechnikers „mit tollen Ideen“.
1980 kam eine Luftentfeuchtungsanlage in den Stall. An Tagen unter minus 5 Grad liefen täglich rund 200 Liter Kondenswasser in den Abfluss, und dabei fiel so viel Wärme an, dass Paul einen Wärmetauscher auf das Gerät baute und die Wärme in die Heizung des Wohnhauses einspeiste. Das Gerät brauchte etwa 3 Kilowatt und heizte das gedämmte Zweifamilienhaus mit größeren Heizkörpern bis minus 5 Grad Außentemperatur. Erst darunter sprang die Ölheizung an. Im Sommer trocknete es feuchtes Getreide. Als 1996 die Kühe gingen, wärmte es den Pool. Im Grunde war das eine Wärmepumpe: Sie holte die Wärme aus der feuchten Stallluft.
Seit 2010 setzt er sich im Dorf für ein Nahwärmenetz ein, gespeist aus der Abwärme von Biogasmotoren. Er hat eine eigene Solaranlage mit Speicher, und in der Familie fahren drei E-Autos. Danke für diese Geschichte, Paul!
Die guten Links
🏭 Kanzler Merz fährt einen härteren Kurs gegen China, und ausgerechnet ein Stahl aus Gelsenkirchen zeigt, wie kompliziert das wird. Kornorientiertes Elektroband, ein Spezialstahl für Transformatorkerne, kommt in Europa nur noch von zwei Herstellern, darunter Thyssenkrupp. Und ohne Transformatoren wächst kein Stromnetz. Die EU schützt die Hersteller jetzt gegen chinesische Billigimporte, und das spaltet die Industrie: Die Stahlseite will den Schutz, die Transformatorenbauer fürchten Engpässe beim Netzausbau, schreibt das Handelsblatt €.
🤖 Die Unternehmensberatung Kearney hat berechnet, was ein Grundstück mit gesichertem Netzanschluss für ein Rechenzentrum kostet: in Deutschland rund €2,3 Millionen je Megawatt Anschlussleistung, an den besten Standorten Skandinaviens €600.000 bis 800.000. Teuer geworden ist laut Kearney die Kombination aus Strom, Lage, Fläche und Genehmigung. Deutschland bleibt trotzdem Europas größter Nachfragemarkt, berichtet Energie & Management €. Kearneys Rat: KI-Training dorthin, wo Strom billig ist, Anwendungen, die schnell antworten müssen, bleiben hier.
⚡ Deutschlands Börsenstrompreis bricht ab etwa 80% Erneuerbaren ein: In Stunden mit 80 bis 85% Erneuerbaren-Anteil kostet die Megawattstunde am Spotmarkt im Median €34, in Stunden mit 70 bis 75% noch €75. Das hat Recharge € aus Daten der europäischen Netzbetreiber (ENTSO-E) seit 2024 für vier Länder ausgewertet. Weil Windparks vor allem in genau diesen billigen Stunden liefern, bekommen neue Windparks kaum noch den Durchschnittspreis, schreibt Recharge, und die wenigen Stunden, in denen Gas noch laufen muss, bleiben teuer. Korrelation, keine Kausalität, betont das Blatt selbst.
🌱 Was die Cleantech-Startups machen
🔥 Startup der Woche
🏠 hansetherm aus Hamburg hat eine Seed-Runde über €10 Millionen bekannt gegeben (schon im Mai abgeschlossen). Geld gaben unter anderem G-FUND, die Optima Aegidius Firmengruppe und weitere Immobilienunternehmen. Die Firma verkauft Hausbesitzern Wärmepumpen zum Festpreis samt Planung, Einbau, Förderantrag und Finanzierung und verspricht die Inbetriebnahme innerhalb von 30 Tagen. Nach eigenen Angaben hat sie bereits über 1.000 Wärmepumpen installiert; als Nächstes sollen Solaranlagen, Speicher und Klimageräte ins Angebot. → 19 offene Stellen
Außerdem neu
🚗 NOVUS aus Braunschweig schließt eine Finanzierungsrunde in zweistelliger Millionenhöhe ab, angeführt von 468 Capital. Das elektrische Leichtmotorrad NOVUS One wird seit dem Frühjahr in Deutschland und Spanien ausgeliefert und kostet ab €21.300 netto; das Geld soll den US-Start Ende 2027 finanzieren. → 5 offene Stellen
🏭 Sonexos aus Lausanne sammelt rund €5,4 Millionen ein, angeführt von Valquest Partners. Die 2022 gegründete Firma baut elektronische Schallabsorber gegen das tiefe Brummen von Lüftern in Rechenzentren und Batteriespeichern. Sie sollen nur ein Fünftel von Platz und Gewicht klassischer Dämpfer brauchen. → Offene Stellen
🤖 DiLT Analytics aus Graz holt einen siebenstelligen Betrag, als Eigenkapital von Noctua Science Ventures plus Zuschuss der Förderbank aws. Die Software FaciliMind findet Fehler in Heizung, Lüftung und Klima großer Gebäude und meldet sie als priorisierte Wartungsliste; zu den Kunden zählen die TU Graz, die TU Wien und der staatliche Immobilienverwalter BIG.
Die wichtigsten News
Du brauchst auch unter der Woche Nachrichten? Dann schau in meine News-Übersicht.
⭐ Das solltest du gesehen haben
In Deutschland kamen von Januar bis September 8,2 Gigawattstunden Batteriespeicher dazu, 91% mehr als im Vorjahreszeitraum und etwa zur Hälfte Großspeicher (BSW-Solar)
Der Speicherhersteller Sonnen meldet Insolvenz an (pv magazine)
Heidelberg Materials pausiert GeZero, sein Projekt zur CO₂-Abscheidung im Zementwerk Geseke (Heidelberg Materials)
🏭 Unternehmen & Markt
Erste Industriekunden hängen am Wasserstoff-Kernnetz, melden die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas) (HZwei)
220.000 Tonnen Sprit aus Altspeiseöl: Hamburgs Wasserstoffnetz bekommt seinen größten Abnehmer (Ingenieur)
Der Solar- und Windparkbetreiber Encavis vereinbart erstmals gemeinsamen Stromliefervertrag (PPA) für Photovoltaik und Windkraft (pv magazine)
Google setzt groß auf virtuelle Kraftwerke, also gebündelte Verbraucher und Speicher: 1-Gigawatt-Deal mit dem US-Anbieter Voltus (Heatmap)
Photovoltaik war im dritten Quartal Deutschlands wichtigste Stromquelle (pv magazine)
🔬 Technologie & Erfindungen
Mehr Reichweite bei gleichem Gewicht: Silizium-Akku besteht Labortest (electrive)
Natrium-Ionen-Batterien ohne aktive Kühlung sollen Netzspeicherkosten um 20% senken (Interesting Engineering)
📈 Politik & Regulierung
Windenergie: Ministerpräsidenten schreiben Brandbrief an Wirtschaftsministerin Reiche (Handelsblatt) €
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH): 70.000 Megawatt Offshore-Wind mit weniger Netzanbindungen (E&M) €
Onkalo in Finnland: Weltweit erstes Endlager für hochradioaktiven Atommüll, das ihn 100.000 Jahre lang einschließen soll, genehmigt (Interesting Engineering)
Der letzte Link
Seit 2019 warten Australier auf ihren Cybertruck. Jetzt hat Tesla sich gemeldet.
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Aufmacherbild nach einem Foto von Fotonovela (CC BY-SA 3.0), bearbeitet.
