Hi Cleantechie!
Die Bundesregierung muss in den nächsten zwei Jahren viele Milliarden Euro für effektiven Klimaschutz ausgeben. Das wissen zu wenige. Dabei können diese Milliarden saubere Technologien wirklich anschieben – wenn sie richtig eingesetzt werden.
Deswegen schreibe ich heute einen Überblick zum Klimaschutzsofortprogramm und skizziere, wie die Bundesregierung das Geld zielgerichtet für neue saubere Technologien hebeln kann.
Falls der Herr dieses Geldes, BM Carsten Schneider, hier mitliest: Hallo. Diese Ausgabe ist Ihnen gewidmet.
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🍏 Daniel liest diesen Newsletter und ist Cleantech Pro. Ich wollte von ihm wissen, warum er zahlt.
Er sagte: „Sobald ich etwas regelmäßig lese, bezahle ich dafür. Als der dritte Newsletter von dir kam, habe ich mich gefragt, wo ist denn hier der Abo-Knopf?“
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Reißt die Regierung die Klimaziele, zwingt das Gesetz sie zum Geldausgeben. Sie hat die Ziele gerissen.
tl;dr: Deutschland muss bis 2030 mindestens €8 Milliarden zusätzlich für Klimaschutz ausgeben – das Klimaschutzprogramm 2026, das das Kabinett im März beschloss, weil Klimaschutzgesetz und ein Gerichtsurteil es erzwingen. Verfehlt das Land seine Ziele weiter, kommt 2027 voraussichtlich ein zweites Sofortprogramm in ähnlicher Größe praktisch automatisch dazu. Noch ist offen, wer das Geld bekommt – und ob die Regierung es klug genug einsetzt, um saubere Technologien wirklich zu hebeln.
Zwei Paragrafen zwingen die Regierung, ca. €16 Milliarden auszugeben
Diese Mechanismen greifen:
Das Klimaschutzgesetz verpflichtet jede neue Bundesregierung, binnen zwölf Monaten ein Klimaschutzprogramm vorzulegen. (§9 im Gesetz)
Ein zweiter Mechanismus löst zusätzlich ein Sofortprogramm aus, sobald Deutschland seine Emissionsziele in zwei aufeinanderfolgenden Jahren verfehlt (§8).
Das Klimaschutzprogramm bringt acht Milliarden.
Das Kabinett beschloss am 25. März 2026 das Klimaschutzprogramm 2026. Es bündelt 67 Maßnahmen und soll bis 2030 rund 27 Millionen Tonnen CO₂ einsparen.
Dafür fließen €8 Milliarden bis 2030: €7,6 Milliarden aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF). Dieser Sondertopf speist sich aus den Einnahmen des CO₂-Preises. Dazu kommen €400 Millionen aus dem Infrastruktur-Sondervermögen.
Die größten Posten darin: Moor-, Wald- und Bodenschutz; die neue E-Auto-Prämie, Fernwärmenetze und Ladesäulen an Mehrfamilienhäusern.
€2,9 Milliarden sind für die Industrie reserviert, um Produktion auf Strom statt Gas umzustellen. Aber wie das Geld vergeben wird und welche Firmen es bekommen, ist noch völlig offen. Das wird erst mit dem Haushalt 2027 entschieden.
Allerdings wird auch das Sofortprogramm (§8) höchstwahrscheinlich fällig. Es bringt gemessen an den Emissionen, die eingespart werden müssten, wohl weitere acht Milliarden. So groß fiel jedenfalls das letzte Sofortprogramm 2021 aus.
Der unabhängige Expertenrat für Klimafragen – das wissenschaftliche Gremium, das Deutschlands Klimaziele überwacht – stellte im Mai 2026 erstmals fest, dass Deutschland sein Emissionsbudget bis 2030 reißt. Geschätzt 60 bis 100 Millionen Tonnen CO₂ zu viel.
Wiederholt sich diese Feststellung 2027, muss die Regierung per Gesetz ein weiteres Sofortprogramm beschließen – dann käme eine zweite Geldwelle praktisch automatisch.
Dass der Expertenrat das feststellen wird, ist so gut wie sicher. Im Mai hat er bereits festgestellt, dass die Vorhaben der Regierung nicht reichen würden.
🍏 Was ich denke
Über die Milliarden, die da fließen werden, redet die Cleantech- und Klimapolitik-Blase zu wenig.
Dass Bundeskanzler Friedrich Merz es seinem SPD-Minister Carsten Schneider überließ, das Klimaschutzprogramm im März zu präsentieren und kein Wort darüber verlor? Logisch für einen Mann mit seinem politischen Profil.
Aber die Szene muss darüber streiten, wofür das Geld fließen soll - gerade auch die Startups müssen sich beteiligen.
Denn gibt die Regierung das Geld wirklich effektiv aus? Effektiv bedeutet in diesem Fall: Möglichst viel Wumms für jeden Euro.
Da die Klimakrise alles überdeckt und an tausenden Stellen gelöst werden muss, erlaubt es Klimapolitik, mehrere Ziele gleichzeitig zu verfolgen.
Wir sollten diese Gelder deswegen nicht nur als Klimaschutzprogramm verstehen, sondern auch als ein Werkzeug der Energie-, Industrie- und Startup-Politik. Es gilt mit €16 Milliarden etwas zu bewirken, das eigentlich €50 Milliarden oder mehr wert wäre.
Das kann über hauptsächlich zwei Wege geschehen.
Ein staatlicher Euro löst direkt mehrere zusätzliche private Euro an Investitionen aus.
Ein staatlicher Euro stärkt indirekt und weniger gut messbar das Ökosystem von Firmen und Forschern, das die große Elektrifizierung und Dekarbonisierung ermöglicht. Ziel ist hier: Kompetenz- und Talentaufbau.
Aber wenn Bundesregierungen in Klimaschutz investieren, gehen sie, wenn überhaupt, nur den ersten Weg – weil sie vor allem auf direkte Förderungen setzen. Sie nutzen nicht die ganze Palette der Instrumente, über die sie verfügen.
Beleg dafür ist unter anderem das letzte Sofortprogramm, das noch Peter Altmaier aufgelegt hatte. Ein Teil des Geldes, €860 Millionen, floss in die Industrie als direkte Förderungen (Stahl, Zement, Chemie) oder in Form von Klimaschutzverträgen. In das Startup-Ökosystem flossen €0.
Sie sollte besser einen Teil des Geldes umleiten. Andere Länder zeigen, wie das aussehen kann.
Die USA hatten mit ihren Steuergutschriften aus dem Inflation Reduction Act eine große Welle an Investitionen ausgelöst. Für jede produzierte Batterie, jedes Solarmodul, jedes E-Auto und viele andere Güter konnten die Hersteller ihre Steuerlast senken. Das war gut planbar und damit interessant für Investoren.
Etwas früher setzen Advanced Market Commitments an; hier nimmt der Staat die teuren ersten Chargen ab, um so die Skalierung zu fördern. Da der Staat auch der größte Bauherr des Landes ist, könnte er in Deutschland etwa grünen Zement einkaufen.
In den USA erwiesen sich auch Bürgschaften des Energieministeriums als mächtiges Werkzeug. Die hat zwar auch Deutschland; die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kann sie vergeben. Deutschland fehlt aber fast überall der Risikowille der Amerikaner, die Bürgschaften übernahmen, bevor eine Technologie skaliert war.
Die Ironie ist, dass auch die Deutschen genau wissen, wie effektiv solche Werkzeuge sein können. Mit dem KfW-Programm 572 übernimmt der Staat seit Dezember das – man muss die deutsche Sprache lieben – „Fündigkeitsrisiko“ bei Tiefengeothermie-Bohrungen. Diese kosten mehrere Millionen und können trotzdem nichts liefern. Genau in diesem Fall zahlt die KfW die Kosten der Bohrung. War die Bohrung erfolgreich, zahlt sie nichts.
Das ist das Prinzip, das die Regierung auf möglichst viele Bereiche übertragen muss. Anfangsrisiko rausnehmen, Kosten strategisch genau dort drücken, wo sie wie ein Flaschenhals einen zügigen Hochlauf verhindern.
Nur muss jemand die Regierung anschubsen. Sonst fließen wieder €273 Millionen in Projekte wie die H2-Brennstoffzelle fürs Auto. Das kann niemand wollen.
👉 Steige tiefer ein
Advance Market Commitments – The playbook – Wie Abnahmegarantien funktionieren, vom Impfstoff-Vorbild bis zur CO2-Entnahme
Wie die USA mit Bürgschaften Cleantech finanzierbar machen – Jigar Shah erklärt das „Bridge to bankability“-Prinzip des DOE Loan Programs Office
Der deutsche Beweis: KfW-Programm 572 – Wie der Bund das Fündigkeitsrisiko bei Geothermie-Bohrungen absichert, im Detail
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Die guten Links
🔍 Wer auch nur gelegentlich mit Klimagesetzgebung, Dekarbonisierungsvorschriften oder Emissionszertifikaten zu tun hat, wird Climate Policy Radar lieben. Die NGO dahinter hat mehr als 30.000 offizielle Klimapolitik-Dokumente zusammengetragen, die sich ganz einfach durchsuchen lassen.
📉 “Das nächste Mal, wenn jemand dir ein Diagramm der CO₂-Konzentration zeigt und behauptet, dass sich nichts verändert, kannst du zeigen, wie viel schlimmer es gewesen wäre, wenn wir wirklich gar nichts getan hätten.” Zeke Hausfather erklärt, wie man globale CO2-Kurven richtig liest.
🔌 Rund 30 % des Stroms in einem KI-Rechenzentrum erzeugen keine Rechenleistung – sie verpuffen in der Kühlung und beim Transport. An drei Beispielen zeigt Bloomberg (€), wie die Branche gegensteuert: Direkt-Flüssigkühlung, 800-Volt-Gleichstrom-Sidecars und Solid-State-Transformer. Rechenzentren treiben so Elektrotechnik-Innovation.
⚡ Ein Stammgast hier in der Sektion: Michael Liebreich. Warum er das ist, beweist er mit diesem Stück aufs Neue – immer das große Ganze im Blick behaltend, zeigt er, was wir tun müssen, um immer mehr zu elektrifizieren. Vieles davon hatten wir auch schon hier im Newsletter (Strompreiszonen etwa). Eine Sache nehme ich speziell mit: Um schnell zu elektrifizieren, müssen wir zuerst so viel Nachfrage wie möglich schaffen – das senkt dank Netzwerkeffekten die Preise.
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💶 Energiegemeinschaften: ed-energiedigital, Graz, siebenstelliges Seed-Investment von der JS Group. Keine offenen Stellen verlinkt.
💶 Solar-Software: SmartHelio, Lausanne, strategisches Investment von quantumEDGE Ventures, Summe ungenannt. Offene Stellen.
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👋 Vergangene Woche habe ich den größten Schmiedehammer Europas gesehen. Die Firma Dirostahl betreibt ihn in Remscheid. Als der Hammer immer und immer wieder auf einen glühend heißen Stahlklotz krachte, fuhr mir die Vibration des Aufschlags in die Glieder. Ein fast sakraler Moment.

