This website uses cookies

Read our Privacy policy and Terms of use for more information.

Hi Cleantechie!

Vergangene Woche habe ich mit einem Leser telefoniert, einem Wärmeplaner. Er nutzt diesen Newsletter als Werkzeug, um einen Überblick über die wichtigsten Trends und Argumente zu bekommen. Er braucht sie im Verkaufsgespräch.

Sein Problem: Er erinnert sich an die Zahlen nur dunkel. „Da war doch mal was mit China und Öl – aber welche Ausgabe war das?

Das kam mir bekannt vor. Viele von euch nutzen diesen Newsletter für Gespräche – mit Kunden, Kollegen, am Familientisch. Deshalb geht heute eine neue Seite online.

Ich habe das komplette Archiv ausgewertet und habe 50–60 Mythen, Einwände und Argumente gefunden, die ich aufgegriffen habe – zusammen sind sie das ultimative Debattenwerkzeug.

Heute beginne ich mit der Veröffentlichung der ersten zehn Mythen, in den kommenden Wochen folgt der Rest.

Let’s go!

🍏 Fakten sammeln, differenzieren, abwägen – sich nicht von dem ganzen BS da draußen verunsichern lassen. Das tue ich jede Woche in diesem Newsletter. Wenn du regelmäßig liest, sichere die Zukunft von cleantech.ing und werde:

Die häufigsten Einwände gegen die Energiewende – ab heute auf einer Seite.

Zehn Einwände habe ich bereits veröffentlicht, zwei besonders interessante (in meinen Augen) stelle ich dir hier vor. Sie kommen dir vielleicht bekannt vor 😉

„Wärmepumpen? Nette Idee fürs Reihenhaus – aber eine Fabrik heizt du damit nicht.“

Funktionieren Wärmepumpen auch für industrielle Prozesswärme?

Deutschlands Großwärmepumpen-Leistung hat sich seit 2023 verdreifacht, erreicht schon 165 Grad Celsius – und ersetzt bei BASF allein 500.000 Tonnen Erdgas-Dampf pro Jahr.

In Ludwigshafen baut BASF gerade die weltgrößte Industrie-Wärmepumpe. Sie ersetzt Erdgas in der Ameisensäure-Produktion, spart damit 100.000 Tonnen CO2 und wird mit bis zu €310 Millionen über einen Klimaschutzvertrag gefördert. Das widerlegt den Mythos, Schwerindustrie könnte nicht elektrifiziert werden. Laut Fraunhofer IEG stieg Deutschlands installierte Großwärmepumpen-Leistung von rund 60 Megawatt Ende 2023 auf etwa 180 Megawatt 2025 – eine Verdreifachung in zwei Jahren. In Mannheim, Köln, Hamburg, Hannover und Ludwigshafen entstehen fünf weitere Anlagen zwischen 30 und 165 Megawatt für über €600 Millionen, 71 zusätzliche Projekte mit zusammen rund 900 Megawatt sind laut Branchenmedium ZfK in Planung. Kommerzielle Anlagen erreichen bereits bis zu 165 Grad, einzelne Modelle bis 200 Grad. Ein Report von Future Cleantech Architects zeigt zudem: Europas Industrie verbraucht 831 TWh Erdgas jährlich für Prozesswärme – 18,3 Prozent des gesamten Gasbedarfs –, doch die meisten Prozesse brauchen nur rund 160 Grad statt der oft zitierten 1000 Grad. Das ist ein Bereich, in dem Wärmepumpen konkurrenzfähig sind.

„Ohne Grundlastkraftwerke geht das Licht aus – Wind und Sonne können nicht rund um die Uhr liefern.“

Braucht Deutschland Grundlastkraftwerke für eine sichere Stromversorgung?

Gaskraftwerke sollen 2035 im Schnitt nur 1450 Stunden im Jahr laufen – 16 Prozent der Zeit. Das ist Spitzenlast, keine Grundlast.

„Gas ist die einzige Grundlast, die mir noch bleibt“, sagte Bundesenergieministerin Katherina Reiche der Financial Times. Grundlast heißt: rund um die Uhr. Deutsche Gaskraftwerke liefen 2024 laut Energy Charts aber nur zu 30 bis 40 Prozent ihrer Kapazität, inzwischen sind es rund 25 Prozent. Für 2035 rechnen Agora Energiewende und Prognos mit durchschnittlich nur noch 1450 Volllaststunden pro Jahr – 16 Prozent der Betriebszeit. Wer neue Gaskraftwerke fordert, redet also über Spitzenlast und Flexibilität, ein Marktsegment, in dem längst auch Batteriespeicher mitbieten. Eine Studie von Acatech, Leopoldina und Akademieunion zeigt zudem: Ein Neubau klassischer Grundlastkraftwerke kostet nicht weniger als ein vollständig erneuerbares System. Und selbst die energieintensive Industrie widerspricht dem eigenen Verbandssprech: Wacker-Chemie-Chef Christian Hartel, dessen Konzern fast ein Prozent des deutschen Stroms verbraucht, sagt im FAZ-Interview, er könne „bestimmt 70 oder 80 Prozent“ seines Energiebedarfs mit Sonnen- und Windkraft decken – Netzausbau sei „keine Raketenwissenschaft“.

Die anderen acht Einwände

Alle mit Antwort, Belegen und Quellen auf der Seite:

  • „Wind und Solar? Ohne die ganzen Subventionen wäre das doch viel teurer als Gas und Atom.“

  • „Die hohen Strompreise durch die Energiewende haben unsere Industrie kaputt gemacht.“

  • „Ohne Grundlastkraftwerke geht doch irgendwann das Licht aus.“

  • „Guck dir Spanien an – so viel Ökostrom, und dann geht einfach das Licht aus.“

  • „Diese ganzen Batteriespeicher-Projekte sind doch alles nur Papier.“

  • „Solarmodule sind doch technisch ausgereizt.“

  • „Elektroautos will doch keiner mehr kaufen – guck dir nur mal Teslas Zahlen an.“

  • „Wind und Sonne liefern doch nicht mal zehn Prozent von dem, was wir wirklich brauchen.“

Hast du Anmerkungen? Antworte direkt oder nutze die Kommentarsektion.

Die guten Links

📊 Schönes kleines Gedankenspiel beim Climate Insider: Er vergleicht die Pitchdecks von Cleantech-Startups aus dem Jahr 2021 und dem Jahr 2025, leider nur auf einem abstrakten Niveau, ohne Namen zu nennen. Trotzdem interessant: Denn so kann er zeigen, wie sich die Erzählung geändert hat, aber der Effekt gleich bleibt. Aus „40 Megatonnen CO₂-Potenzial“ wird ein „410-Millionen-Dollar-Markt“.

🏭 Rechenzentren sind die verlässlichsten Wärmelieferanten, die eine Kommune bekommen kann: „Wir haben noch nie eins schließen sehen“, sagt Rüdiger Lohse vom Abwärme-Netzwerk AWANetz in einem Beitrag der Deutschen Welle. Bei Elektrolyseuren sei es umgekehrt: Sie würden dynamisch hoch- und runtergefahren, und genau die flexible Fahrweise, die grünen Wasserstoff wirtschaftlich mache, mache die Abwärme der Elektrolyseure schwer verkäuflich.

Was die Cleantech-Startups machen

🔥 Startup der Woche

🏠 Deutsche Sanierungsberatung aus Berlin schließt eine Series-A-Runde über mehr als €10 Millionen ab, angeführt von Simon Capital und VERBUND X Ventures. Die Plattform führt Eigenheimbesitzer durch Energieberatung, Förderantrag und Handwerkersuche und hat nach eigenen Angaben über 10.000 Hausbesitzer und rund 300 Handwerksbetriebe zusammengebracht. Als Nächstes kommen ein eigener Stromtarif und der Schritt ins Geschäft mit Gewerbekunden. → 9 offene Stellen

Außerdem neu

  • 🏢 metr aus Berlin sammelt €10,5 Millionen in einer Series B ein, Lead-Investor ist die Sächsische Beteiligungsgesellschaft. Die Plattform regelt Heizungen im Wohnungsbestand fern; das Unternehmen meldet über 80 Prozent Umsatzwachstum.

  • 🚗 Aampere aus München holt €4,2 Millionen für die Europa-Expansion, angeführt von Trind Ventures. Die Plattform bewertet gebrauchte Elektroautos algorithmisch und versteigert sie europaweit an Händler. → 11 offene Stellen

  • ♻️ cylib aus Aachen übernimmt eine mechanische Aufbereitungsanlage für Batterie-Recycling in Wernberg-Köblitz mit bis zu 10.000 Tonnen Jahreskapazität. Der Betrieb der Anlage – und damit die Anbindung an die eigene Hydrometallurgie in Dormagen – soll laut Ankündigung im vierten Quartal 2026 starten. → 7 offene Stellen

  • 🌡️ SeasON Energy aus Zürich erhält von einem privaten Investor einen einstelligen Millionenbetrag in Franken. Der Speicher bindet Sommerwärme chemisch in Natronlauge und gibt sie im Winter wieder ab; zwei Pilotanlagen laufen bereits.

Die wichtigsten News

⭐ Das solltest du gesehen haben

  • Krisenfall Varta: Varta AG meldet Insolvenz an (WirtschaftsWoche) €

  • EEG-Novelle: Neues Förderregime leitet Zeitenwende für die Energiewende ein (Science Media Center)

  • Gas statt Batterien: Technologieoffen ist die Ausschreibung zu Reservekraftwerken nicht (Golem) €

🏭 Unternehmen & Markt

  • Warum Daimler und Volvo bei Cellcentric plötzlich einen Dritten brauchen (CleanThinking)

  • Rohstoffe: Bundesregierung prüft geplante Übernahme von VAC durch US-Konzern (Handelsblatt) €

  • Uniper plant Milliardenvorstoß bei Kraftwerken und Rechenzentren (ESG News)

  • Siemens Energy baut erstmals gemeinsam mit einer deutschen Werft eine 2-GW-Konverterplattform (Windkraft-Journal)

🔬 Technologie & Erfindungen

  • Weißer Wasserstoff: Warum die Millionen-Tonnen-Hoffnung wohl geplatzt ist (Ingenieur)

  • Alfen und CATL vereinbaren 5 GWh Natrium-Ionen-Speicher für Europa (Solarserver)

  • Vulcan beginnt mit den Bauarbeiten für ein 30-MW-Geothermiekraftwerk in Landau (ThinkGeoEnergy)

📈 Politik & Regulierung

  • Das Gesetz, das E-Autos zu Stromspeichern macht (CleanThinking)

  • Neue Förderung für Wärmepumpen: Das Wichtigste auf einen Blick (Windkraft-Journal)

  • ExxonMobil reicht Klage gegen die CO₂-Speicherpflicht der EU ein (Carbon Pulse) €

Der letzte Link

Octopus Energy und CATL bauen zusammen ein Batteriewechsel-Netz für Lkw – und haben dem gemeinsamen Unternehmen einen Namen gegeben, über den man vielleicht nochmal nachdenkt in so ein bis zwei Jahren.

🙏 Wenn dir dieser Newsletter gefällt: Teile ihn mit Kollegen oder Freunden! Per Mail, auf LinkedIn oder Bluesky.

Zuletzt die altbekannte, aber für mich wichtige Frage:

War dieser Newsletter deine Zeit wert?

Login or Subscribe to participate

👋 Mein Job hier ist erledigt, wenn es keinen Mythos mehr zu entkräften gibt. Was mit Blick auf die menschliche Psyche für mich nur bedeuten kann: Jobsicherheit bis zum Lebensende, ob ich nun will oder nicht.

Rico Grimm

Ich bin auf LinkedIn / Bluesky / Mastodon.




Mehr von Cleantech Ing.