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Hi Cleantechie!

Vor ein paar Wochen habe ich mein Mythen-Archiv online gestellt. Erstmal mit zehn Mythen, heute kommen fünf weitere dazu. Zwei davon stelle ich vor, weil sich da etwas bewegt hat: Dunkelflauten-Speicher und Chinas Kohlestrom.

Zur Erinnerung: Das Mythen-Archiv soll dir helfen, in Diskussionen im Geschäft oder am Familientisch immer das richtige Argument parat zu haben.

Let’s go!

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Fünf neue Mythen im Archiv

„Und bei zwei Wochen Dunkelflaute? Dafür gibt es keinen Speicher – also brauchen wir Gaskraftwerke.“

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Gibt es bezahlbare Langzeitspeicher für mehrtägige Dunkelflauten, oder sind neue Gaskraftwerke alternativlos?

Wasserstoff in Salzkavernen kostet in der reinen Speicherung 2 bis 5 Cent pro Kilowattstunde, chinesische Druckluftspeicher liefern Strom für rund 8 Cent – und Form Energy baut für ein Google-Rechenzentrum gerade die größte Batterie der Welt, die 100 Stunden am Stück entlädt.

Deutschlands Salzkavernen an Land könnten laut einer Studie von RWTH Aachen, Forschungszentrum Jülich und Fraunhofer IEG 9,4 Petawattstunden Wasserstoff aufnehmen – rund das Zwanzigfache der Energie, die Deutschland in einem Jahr als Strom verbraucht. Die reine Speicherung kostet laut Energiewirtschaftlichem Institut der Uni Köln 2 bis 5 Cent pro Kilowattstunde, bei schlechter Auslastung bis 10 Cent.

Batterien sind für diesen Job das falsche Werkzeug: Wer sie nur dreimal im Jahr lädt und entlädt, landet im Speicherkosten-Modell des Imperial College London bei über 13 Dollar pro Kilowattstunde. Für Wochen statt Monate gibt es aber auch Druckluft: Neue adiabatische Anlagen in stillgelegten chinesischen Salzkavernen erreichen laut einer 2025 erschienenen Studie Stromgestehungskosten von 7,7 bis 8,1 US-Cent.

Und Eisen-Luft ist eine Option: Form Energy kündigte im Februar mit dem Versorger Xcel Energy einen 30-Gigawattstunden-Speicher für ein Google-Rechenzentrum in Minnesota an – 300 Megawatt, 100 Stunden Entladung am Stück, Betrieb ab 2028, laut Heatmap News die größte Batterie der Welt nach Energiekapazität. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen hat 2025 vier deutsche Langzeitspeicher-Technologien ohne kritische Rohstoffe ausgezeichnet. Ein von ihr beauftragtes Positionspapier warnt: Neue Gaskraftwerke bedeuten hohe Kosten und strategische Risiken. Die Bundesregierung schreibt trotzdem seit vergangener Woche die ersten 4,5 von 11 Gigawatt neuer Gaskraftwerke aus.

„Was bringt das alles, wenn China ein Kohlekraftwerk nach dem anderen baut?“

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Steigen Chinas Emissionen ungebremst weiter – und macht das deutschen Klimaschutz wirkungslos?

Im ersten Halbjahr 2026 kam erstmals weniger als die Hälfte von Chinas Strom aus Kohle, und seine CO2-Emissionen haben ihren Höchststand vom März 2024 seither nicht mehr überschritten – weil Wind und Solar schneller wachsen als der Stromhunger.

Ja, China baut weiter Kohlekraftwerke. Aber sie laufen immer seltener, weil Wind und Solar übernehmen.

Laut Chinas Energiebehörde NEA lag der Kohleanteil an der Stromerzeugung im ersten Halbjahr 2026 bei 49,7 Prozent – zum ersten Mal unter 50 Prozent. Die CO2-Emissionen haben laut Carbon-Brief-Analyst Lauri Myllyvirta im ersten Quartal 2025 erstmals strukturell abgenommen (minus 1,6 Prozent). 2025 als Ganzes lagen sie 0,3 Prozent unter dem Vorjahr, die des Stromsektors 1,5 Prozent. Anfang 2026 stiegen sie wieder um 2 Prozent, weil überlastete Netze Wind- und Solarstrom abregeln mussten – sie bleiben aber unter dem Höchststand vom März 2024. Der Trend: Chinas Emissionen sind seit Frühjahr 2024 flach oder fallend, obwohl die Wirtschaft wächst.

Und das Argument war schon vorher schief: Wer sagt, deutscher Klimaschutz bringe nichts, solange China emittiert, befreit mit derselben Logik jeden Staat der Welt von der Pflicht. Auch China, das auf Deutschland zeigen könnte.

Zum Weiterlesen: Aber China... (2025-05)

Die anderen drei neuen Einwände

Alle mit Antwort, Belegen und Quellen auf der Seite:

  • „Die KI-Rechenzentren fressen so viel Strom – ohne neue Gaskraftwerke geht das gar nicht.“

  • „Für all die Batterien gibt es doch gar nicht genug Lithium und Kobalt auf der Welt.“

  • „So ein Umbau dauert nun mal Jahrzehnte – das kann gar nicht schneller gehen.“

Hast du Anmerkungen? Antworte direkt oder nutze die Kommentarsektion.

🔌 Mehr Stecker schlagen mehr Kilowatt: Ladeparks mit acht Ladepunkten sind laut einer Auswertung des finnischen Ladesäulenherstellers Kempower dreimal so gut ausgelastet wie kleinere Standorte mit mehr Leistung pro Säule. Und: Rund 100 kW pro Ladepunkt reichen, weil kaum ein Auto seine beworbene Spitzenleistung lange abruft. Mehr bei InsideEVs.

🔋 Über 500.000 Batterietests hat der österreichische Diagnoseanbieter AVILOO ausgewertet: Ein Mercedes EQA hält nach 150.000 Kilometern noch 94 Prozent seiner Kapazität, ein Tesla Model Y 90,3 Prozent, ein Nissan Leaf 86,3 Prozent. Interessant: Zwischen zwei Exemplaren desselben Modells liegen bis zu 13,5 Prozentpunkte, mehr als zwischen den Modellen. Der Kilometerstand allein sagt über einen gebrauchten Akku also wenig.

💰 Business Angels sind Privatleute, die Startups ganz am Anfang Geld geben, und ihre Netzwerke werben mit großen Zahlen: 47.610 aktive Angels in Europa, €1,22 Milliarden investiert im Jahr 2024. Aber in Großbritannien hat jeder vierte „aktive“ Angel zuletzt gar keinen Scheck geschrieben. Die Mitgliederzahl eines Netzwerks sagt also nichts über das Geld dahinter. Deshalb nennt Climate Insiders die Gruppen, bei denen es tatsächlich fließt.

Die wichtigsten News

⭐ Das solltest du gesehen haben

  • €15,7 Milliarden an Strombeschaffungskosten hat Photovoltaik 2025 eingespart, 40 Prozent mehr als ihre EEG-Förderung kostete, rechnet der Solarverband BSW vor (pv magazine)

  • 50Hertz und Amprion: Attacke gegen Kraftwerke offenbart die Achillesferse der Stromnetze (WirtschaftsWoche) €

  • VW will 100.000 Stellen streichen und möglicherweise die E-Auto-Produktion in vier Werken stoppen (Electrek)

🏭 Unternehmen & Markt

  • Erste CO₂-Lieferung aus der grenzüberschreitenden Schweizer BECCS-Kette (Bio-CO₂ abscheiden und speichern) zur Lagerung unter dem Meer (Carbon Pulse) €

  • Fervo und Google unterzeichnen weltweit größten Vertrag für Geothermie der nächsten Generation (Canary Media)

  • SLB übernimmt den Rechenzentrums-Kühlspezialisten Kelvion für $4 Milliarden von Apollo (ESG Today)

  • Leag startet Bau des 1,6 Gigawattstunden-Speichers in Sachsen (pv magazine)

  • Studie: Batterie-Trucks werden auf immer mehr Strecken konkurrenzfähig (Electrive)

🔬 Technologie & Erfindungen

  • Helmholtz-Zentrum Berlin erreicht 30,3 Prozent Wirkungsgrad im Tandemzellen-Versuch (pv Europe)

  • Alpitronic stellt 1-MW-Ladesystem für Elektrofahrzeuge vor (pv magazine)

📈 Politik & Regulierung

  • MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur: 25 Prozent Rendite für Gewerbespeicher mit Arbitragehandel (pv magazine)

  • Offshore-Wind-Gesetz: Kabinett wagt Entschädigungsregel bei zu spätem Netz (Erneuerbare Energien)

  • Bundesregierung kürzt Zuschuss zu Netzkosten (E&M) €

🌱 Was die Cleantech-Startups machen

🔥 Startup der Woche

💳 Cloover aus Berlin ist drei Jahre nach dem Start profitabel, bei einem annualisierten Umsatz von über $350 Millionen. Das ist laut Gründer Jodok Betschart der Wert der Anlagen, die über die Plattform verkauft werden. Das Fintech finanziert Solaranlagen, Speicher, Wärmepumpen und Ladestationen für Hausbesitzer. Dazu kommen jetzt $100 Millionen zusätzliche Finanzierungskapazität von einem nicht genannten Private-Credit-Fonds. Nach eigenen Angaben zählt Cloover damit zu den drei größten Anbietern von Energielösungen für Hausbesitzer in Deutschland, ohne selbst ein einziges Modul zu montieren. → 20 offene Stellen

Außerdem neu

  • 🗑️ Jaipur Robotics aus Manno bei Lugano schließt eine Seed-Runde über €4,3 Millionen ab, angeführt von EquityPitcher Ventures und High-Tech Gründerfonds, für seine Kamera-plus-KI-Steuerung in Müllverbrennungsanlagen. Laut Unternehmen sinken ungeplante Stillstände damit um über 80 Prozent; das 40-köpfige Team liefert bereits an Anlagen in Europa. → 8 offene Stellen

  • ♻️ EveryCarbon aus Hamburg erhält €350.000 vom belgischen Biotech-Inkubator Biotope und will damit seine Plattform zur Marktreife bringen, die per Fermentation aus gemischten Bioabfällen Rohstoffe u.a. für Dämmstoffe herstellt. Im Herbst 2025 hatte die Bundesagentur für Sprunginnovationen bereits €2,5 Millionen zugesagt.

  • 🌡️ Serwas Technologies aus Innsbruck holt knapp €300.000 als erstes Closing einer Pre-Seed-Runde, angeführt von Gateway Ventures, und stellt wassergekühlte KI-Server dort auf, wo ständig Wärme gebraucht wird: Die Abwärme heizt bereits das Amraser Schwimmbad in Innsbruck, die Rechenleistung wird parallel verkauft. Ein zweites Closing soll im Herbst folgen.

  • 🧪 sequestra aus Wien nimmt ein Labor in Betrieb, das mit der eigenen Analyseplattform Luma automatisiert misst, wie viel CO2 sich in Schlacken, Aschen und Baurestmassen mineralisch binden lässt. Erste Industrieanlagen sollen Ende 2027 auf den Markt kommen, Kunden sind Stahl-, Zement- und Bauindustrie.

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Zuletzt die altbekannte, aber für mich wichtige Frage:

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👋 Ist neuerdings 40 Jahre alt, hofft auf Eimer voll Weisheit.

Rico Grimm

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